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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Zwei Geschwister überleben Deportation GeschichteKinder der Zirkusfamilie Frank besuchten die Schule in Bohlenberge

27.12.2008

ZETEL Die Geschichte von Anton Franz und seine Verbindung zu Zetel beginnt irgendwann in den 30er-Jahren. Vielleicht 1938, spätestens im Oktober 1939, kam er mit seiner Familie nach Bohlenberge, wo die Sinti-Familie ihre Wohnwagen in einer Sandkuhle an der Horster Straße abstellte. Vater Georg Frank hatte einen Wanderzirkus, mit dem er von Dorf zu Dorf zog und auf der Straße Kunststücke vorführte. Ein Zelt hatte der Zirkus freilich nicht. Die Kunststücke wurden unter freiem Himmel gezeigt. Ein Tisch, auf dem akrobatische Kunststücke vorgeführt wurden, reichte den Artisten als Manege. Nach den Vorführungen wurde eine Mütze herumgereicht und das Geld gesammelt, das die Leute zu zahlen bereit waren.

Ab 1939 hatten die Franks allerdings Auftrittsverbot, Georg Frank musste sich in der Sandkuhle am Driefeler Esch Arbeit suchen, seine Frau Grete arbeitete in einer nahen Gärtnerei am Stubbendränk, Anton arbeitete beim Bauern, seine Schwester Margot in der Schuhfabrik Höfers in Varel. Die beiden Geschwister sind die einzigen, die die Deportation der Familie am 3. März 1943 nach Auschwitz-Birkenau überlebte. Georg und Grete Frank starben in Auschwitz-Birkenau, ebenso ihre Kinder Ella und Frieda, Hans und Otto, die kleine Ursula und Angela, die jüngste der Familie.

Margot heiratete nach dem Krieg Friedrich Schwarz, ihr war 1945 auf einem der berüchtigten Todesmärsche die Flucht gelungen. Später lebte sie mit ihrem Mann in Oldenburg.

Anton Franz wiederum (er stammt aus der ersten Ehe von Grete Frank, deshalb heißt er Franz) wurde von Auschwitz nach Buchenwald verlegt, später ins KZ Mittelbau Dora, wo er unter unmenschlichen Bedingungen unter Tage arbeiten musste. Am 12. April 1945 wurde er von Amerikanern befreit, die Gefangenschaft endete, nicht aber die Diskriminierung, die er als Sinto im Nachkriegsdeutschland erleiden musste.

„Er nahm immer mich mit zum Einkaufen, weil ich blonde Haare habe“, erinnert sich seine Tochter Anja Frank (42), die wie ihr Großvater Georg Frank einen Familienzirkus betreibt (zusammen mit ihrem Mann Nando und ihren Kindern sowie den Schwiegertöchtern der beiden ältesten Söhne und deren Kinder).

An hämischen Bemerkungen und Gemeinheiten hat es in ihrer Jugend nicht gefehlt, und deshalb ist der Besuch in Zetel für Anja Frank auch kein leichter Weg, weil alles an ihren verstorbenen Vater erinnert und die Erinnerungen an seine nächtlichen Schreie im Schlaf oder an seine Wut, wenn eines der Kinder das Schulbrot weggeworfen hatte.

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