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Wirtschaftsumfrage in Friesland Diese Herausforderungen hat der Arbeitsmarkt

Sie sehen den Arbeitsmarkt grundsätzlich gut aufgestellt (von links): Frieslands Jobcenter-Leiter Andreas Bruns, Henning Wessels (Hauptgeschäftsführer Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband Jade), Wilhelmshavens Jobcenter-Leiter Thomas Hein und Wittmunds Jobcenter-Leiterin Claudia Lütkemeier.

Sie sehen den Arbeitsmarkt grundsätzlich gut aufgestellt (von links): Frieslands Jobcenter-Leiter Andreas Bruns, Henning Wessels (Hauptgeschäftsführer Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband Jade), Wilhelmshavens Jobcenter-Leiter Thomas Hein und Wittmunds Jobcenter-Leiterin Claudia Lütkemeier.

Sarom Siebenhaar

Friesland/Wittmund/Wilhelmshaven - Knapp 1.000 Arbeitsplätze in der Jade-Wirtschaftsregion sind momentan unbesetzt. Der Mangel an Fachkräften, Experten und Hilfskräften ist immer noch groß. Der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband Jade (AWV) hat in den Landkreisen Friesland und Wittmund sowie der Stadt Wilhelmshaven im Frühjahr eine Wirtschaftsumfrage durchgeführt und die Ergebnisse jetzt vorgestellt.

„Trotz der Rezension würde ich sagen, dass die Region stabil ist“, sagt Henning Wessels, Hauptgeschäftsführer des AWV. Knapp 85 Prozent der 130 befragten Unternehmen hätten ihre Situation als gut oder sehr gut bezeichnet. Trotzdem mache sich der Fachkräftemangel bemerkbar. Grund dafür ist unter anderem auch die fehlende Qualifikation. „75 Prozent unserer Kunden habe keine abgeschlossene Ausbildung“, sagt Thomas Hein, Leiter des Jobcenters Wilhelmshaven.

Weiterbildung im Betrieb

Ähnliches berichten Andreas Bruns und Claudia Lütkemeier, die die Jobcenter in Friesland und Wittmund leiten. „Bei uns sind es knapp 70 Prozent, die ohne Berufs- oder Schulabschluss dastehen“, offenbart Bruns. In Wittmund gebe es unter den Kunden keine einzige Fachkraft, sagt Lütkemeier. Woher sollen die Unternehmen also ihre Fachkräfte nehmen?

Für Hein ist die innerbetriebliche Weiterbildung ein großer Baustein. Laut Umfrage können sich in Wilhelmshaven nur 28 Prozent der befragten Unternehmen vorstellen, die freien Stellen durch Weiterbildung des vorhandenen Personals zu besetzen. „Ich würde mir wünschen, dass die Unternehmen das mehr nachfragen“, so Hein.

Aber: Stellen Betriebe ihre Mitarbeiter für Weiterbildung frei, fallen sie eine Zeit lang aus. „Sie kannibalisieren sich sozusagen selber. Dennoch kommt man so am schnellsten zu Fachkräften. Der Gedanke dabei ist auch, dass durch die Fachweiterbildung im Betrieb eine Stelle mit niedrigerem Anforderungsniveau frei wird, die dann leichter besetzt werden kann.“


Sprache

Der Mangel an Fachkräften fußt aber auch auf einer sprachlichen Barriere. Denn ein großer Anteil der Jobcenter-Kunden kommt aus dem Ausland. Während in Friesland knapp ein Drittel der Jobcenter-Kunden aus dem Ausland kommt, ist der Anteil in Wittmund noch einmal größer. „Von unseren 2.486 Leistungsbeziehern sind etwa 900 Migranten“, sagt Lütkemeier.

In der öffentlichen Wahrnehmung sei auch die Erwartungshaltung eine völlig falsche. „So wie sich das einige vorstellen, dass wir Fachkräfte aus dem Ausland direkt in den Arbeitsmarkt werfen können, geht es nicht“, sagt Hein. Zu wenig Personal zur Vermittlung der Sprache sei dabei eines der Probleme, die Zeit ein anderes. „Wir geben unseren Kindern sechs, sieben Jahre Zeit, um eine neue Sprache zu lernen“, erklärt Hein. „Und diese Menschen, die teilweise Schlimmes erlebt haben, sollen innerhalb eines Jahres unsere Sprache beherrschen? Das braucht einfach seine Zeit. An dieser Stellschraube müssen wir drehen.“ Für die Integration in den Arbeitsmarkt sei das Beherrschen der Sprache unumgänglich.

Dazu komme der aufwendige Prozess der Berufsanerkennung. „Wir haben ja teilweise qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland, die verfügbar wären“, sagt Bruns. Allerdings sei zum Beispiel eine ausgebildete Pflegekraft aus dem Ausland nicht gleichzusetzen mit einer examinierten Pflegefachkraft aus Deutschland. „Dazu kommt, dass die Anerkennung einfach viel zu lang dauert.“

Trotz dieser Punkte zeichnen Wessels und Bruns eingrundsätzlich positives Bild. „An sich bin ich froh, das es genug Arbeitsplätze gibt. Lieber so, als zu wenig“, sagt Bruns. „Wenn wir den Arbeitsmarkt als Ampel betrachten, steht sie ganz klar auf Grün“, ergänzt Wessels. „Die Stellen sind da. Sie müssen nur besetzt werden.“

Sarom Siebenhaar
Sarom Siebenhaar Redaktion Jever
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