Wittmund/Jever -

Die seit Anfang November auch in Friesland/Wittmund grassierende Vogelgrippe hat nun den Weg in einen Stall gefunden: Am Donnerstag ist der Vogelgrippe-Erreger H5N8 bei einem Entenmastbetrieb in Ardorf entdeckt worden. Die knapp 25 000 Mastenten – Pekingenten – wurden sofort getötet, teilt Dr. Norbert Heising vom Zweckverband Veterinäramt Jade-Weser mit.

Das gehört zum Beobachtungsbezirk im Bereich Friesland

Im Sperrbezirk 3 Kilometer rund um Ardorf liegen 76 Geflügelhaltungen mit 15 812 Tieren. Bis auf einen gewerbsmäßigen Legehennenbetrieb handelt es bei den Beständen um reine Hobbyhaltungen. Im zum Zweckverbandsgebiet gehörenden Teil des Beobachtungsgebiets 10 Kilometer rund um Ardorf sind 367 Tierhaltungen mit 114 333 Stück Geflügel vorhanden.

Im Grundsatz gilt, dass in die Bestände in den gemaßregelten Gebieten nichts herein- oder herausgebracht werden darf. Eier können über bestimmte Packstellen weiter vermarktet werden. Die Aufstallung des Geflügels wurde für das gesamte Zweckverbandsgebiet bereits im November 2020 verfügt. Die Anordnung besteht weiterhin. Für alle Personen, die kein Geflügel halten, gibt es in diesen Gebieten keine Einschränkungen. Auch Hunde und Katzen dürfen frei umherlaufen.

Das Beobachtungsgebiet umfasst auch Teile des Wangerlands, Jevers und Schortens’.  Wangerland: die Gebietsgrenze verläuft auf der L 808 von Jever bis auf Höhe Tettens, dann entlang der Häuptlingsstraße. Damit liegen der westliche Teil Wiefels und Middoge im Beobachtungsgebiet.  Jever: die Gebietsgrenze verläuft am westlichen Stadtgebiet entlang Mühlentief und Schenumer Leide, dann auf der Rahrdumer Straße. Damit gehören der westliche Teil Rahrdums, Cleverns und Sandelermöns zum Beobachtungsgebiet.  Schortens: die Gebietsgrenze verläuft auf der Addenhausener Straße bis Klosterweg, auf der K 95 bis Schoost.

Rund um den befallenen Betrieb wurden ein Sperrbezirk und ein Beobachtungsgebiet gezogen. Das Beobachtungsgebiet betrifft auch Teile des Landkreises Aurich sowie die westlichen Bereiche des Wangerlands sowie der Städte Schortens und Jever.

Heising zufolge hatte der Tierhalter am Montagabend seinen Haustierarzt eingeschaltet, weil er Auffälligkeiten bei der Futter- und Wasseraufnahme der Enten bemerkte. Der Tierarzt sah sich den Bestand am Dienstagnachmittag an und informierte das Veterinäramt. Noch am späten Abend wurden vom Veterinäramt von 40 Enten stichprobenartig Proben entnommen und zum Untersuchungsinstitut des LAVES in Oldenburg gebracht. „Dort bestätigte sich der Verdacht.“ Zur Absicherung wurden die Proben im nationalen Referenzlabor auf der Insel Riems nachuntersucht und der Befund dort bestätigt“, so Heising: „Es handelt sich bei dem Virus um den in der Wildtierpopulation sehr weit verbreiteten Vogelgrippeerreger H5N8, der zurzeit für Infektionsgeschehen in Hausgeflügelbeständen bundesweit verantwortlich ist.“

Wie der Erreger in den Ardorfer Entenstall gelangte, sei schwierig nachzuvollziehen, sagte Heising: „In dem Familienbetrieb gilt strikte Biosicherheit.“ Der Kreisveterinär hofft, dass nach dem Frühjahrs-Vogelzug das Infektionsgeschehen abflaut.

Vogelgrippe im Verbandsgebiet

Erstmals seit 2016/17 grassiert im Gebiet des Zweckverbands Veterinäramt Jade-Weser – Friesland, Wittmund, Wilhelmshaven, Wesermarsch – der Vogelgrippeerreger H5. Im November hatte das Veterinäramt allgemeine Aufstallpflicht angeordnet – sie gilt weiter.

Der erste Vogel, bei dem das Virus H5N8 nachgewiesen wurde, war am 10. November 2020 eine Wildgans in Butjadingen. Im November/Dezember waren infizierte Wildvögel – Gänse, Enten und ein Greifvogel – unter anderem in Wilhelmshaven, Wangerland, Varel, Bockhorn, Friedeburg entdeckt worden. Der Enten-Mastbetrieb in Ardorf ist der erste landwirtschaftliche Bestand im Verbandsgebiet, der nun betroffen ist. Bitter: Schon 2017 war er betroffen.

Beim Vogelgrippeerreger H5N8 oder auch H5N5 hat es bislang weltweit noch nie den Nachweis der Ansteckung eines Menschen gegeben, betont Dr. Norbert Heising, Chef des Veterinäramts Jade-Weser. Für Verbraucher ist die Geflügelpest nicht gefährlich: Selbst wenn Fleisch und Eier von infiziertem Geflügel auf den Tisch gelangen sollte, können sie nach Erhitzen verzehrt werden.