Jever - Vier Monate lang lief die Aktion „Bonus für Behälter“ der Stadt Jever – und zwar von Februar bis Mai. Nun ist es still geworden um das Projekt. Wie ist es eigentlich gelaufen?
Zur Erinnerung: Die Stadt startete die auf vier Monate befristete Aktion, um Besucher des Wochenmarktes zu animieren, eigene Behälter für ihren Einkauf zu verwenden. Die in den Haushalt vorgesehenen Mittel für das Projekt: 16.000 Euro.
1120 Gutscheine für volles Heft
Pro eingesparter Verpackung gab es für die Marktbesucher einen Stempel in ein Bonusheft, das es an den teilnehmenden Wochenmarktständen gab. Als Belohnung für das gefüllte Heft gab es dann einen Jever-Einkaufsgutschein. Insgesamt standen 1120 Gutscheine in einem Wert von jeweils 10 Euro zur Verfügung.
Die „Wünsch-dir-was-Gutscheine“ vom Verein Jever Aktiv waren in mehr als 50 Betrieben/Restaurants in Jever einlösbar, „sodass gleichzeitig auch der stationäre Handel und die jeverschen Gastronominnen und Gastronomen von dieser Aktion profitieren“, sagte Maike Theesfeld von der Stadt damals zum Start der Aktion. Und Bürgermeister Jan Edo Albers war gespannt, ob die Aktion eine nachhaltige Wirkung auf die Besucher des Wochenmarktes hat. „Man kann sich daran gewöhnen, beim Gang zum Wochenmarkt eine Stofftasche dabei zu haben – das ist keine große Sache“, sagte er.
Die Stadt Jever kann die Fragen, wie das Projekt denn gelaufen ist, ob alle Gutscheine verteilt worden sind und ob es nachhaltige Wirkung zeigt, derzeit noch nicht beantworten. Aktuell findet die Auswertung der Aktion, die bis zum 30. Mai lief, statt - das teilt die Stadt auf Nachfrage Anfang August mit.
Schon vorher auf Plastik verzichtet
Und was sagen Wochenmarktbesucher und Marktbeschicker?
Viele Marktbesucher berichten, auch unabhängig von der Aktion eigene Behältnisse mitzubringen. Heidrun Kühn aus Jever befüllte mit ihren plastikfreien Einkäufen ein Bonusheft, ohne ihre Gewohnheiten zu verändern – sie verzichtet bereits seit längerem auf Plastikverpackungen. Ein zweites Heft hat sie sich allerdings nicht abgeholt. „Ich fand die Organisation der Aktion enttäuschend, weswegen ich nicht mehr mitgemacht habe. Natürlich habe ich trotzdem weiterhin meine eigenen Taschen mitgebracht, aber ich wollte den Verkäufern keine zusätzliche Arbeit machen, wenn ich den Gutschein am Ende gar nicht bei ihnen einlösen kann.“
Kritik an dem System
Kritik an diesem System hat auch Ruth Backow erreicht. Sie verkauft am Stand vom Geflügelmarkt Onken. „Sowohl wir als auch viele Kunden fanden es schade, dass sie die Gutscheine nicht direkt bei uns einlösen können“, berichtet sie. Nachhaltig verändert habe sich dadurch auch nicht viel: „Ein paar Vereinzelte kommen auf jeden Fall noch mit eigenen Behältern, aber das hat seit Ende der Aktion deutlich abgenommen. Die, die es genutzt haben, haben es eigentlich nur für den Stempel gemacht – das merkt man sehr.“
Auch Uwe Siggel vom Stand „Käse-Trio“ bezeichnet den Nutzen der Aktion als „durchwachsen“. Ständige Marktgänger hätten sie gut angenommen, doch sporadische Besucher haben laut ihm keine Chance gehabt, ihr Heft vollständig zu füllen. Er gibt an seinem Stand grundsätzlich keine Plastiktüten heraus.
Marktgänger Gerd Köhn aus Jever und seine Frau nehmen jedes Mal eigene Leinenbeutel mit, wenn sie auf den Wochenmarkt gehen: „Den Umweltschutzgedanken haben wir vorher schon verinnerlicht.“ Er habe das Gefühl, dass seit dem Verbot von eigens mitgebrachten Behältnissen zur Zeit von Corona weniger Besucher eigene Verpackungen mitbringen als vorher. Deswegen steht er Aktionen, die dies wieder ankurbeln, positiv gegenüber – auch wenn „Bonus für Behälter“ an ihm vorbeigegangen ist.
Unter dem Motto „Köpfchen statt Kunststoff“ hat der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) im Mai 2021 den Kommunalen Wettbewerb ausgerufen: Gesucht wurden innovative Ideen, um (Kunststoff-) Müll auf kommunaler Ebene zu reduzieren oder zu vermeiden. Städten und Gemeinden in Niedersachsen wurde die Gelegenheit geboten, sich mit innovativen Ideen, laufenden Programmen und abgeschlossenen Projekten zur Kunststoffreduktion und -vermeidung im öffentlichen Raum zu bewerben, teilt der BUND mit. Der Wettbewerbszeitraum lief vom November 2022 bis Oktober 2022.
An dem ausgeschriebenen Wettbewerb haben sich zwölf Kommunen mit Projekten beteiligt. Jever gehörte nicht zu den ersten drei Gewinnern. Die Projektleiterin Rosanna Schoeneich-Argent motivierte die Stadt dennoch zur Umsetzung: „Bei der hohen Qualität aller Beiträge waren es am Ende teilweise wirklich Nuancen, die ausschlaggebend waren. Die Stärken des jeverschen Beitrags sahen die Jurymitglieder vor allem in der Beschreibung des Projekthintergrunds und der Zielsetzung sowie bei der Nachahmbarkeit.“
In den Ausschuss- und Ratssitzungen wurde viel über die Aktion diskutiert. Einigen war die Laufzeit zu gering, zudem sollte der Einzelhandel mit einbezogen werden. Also modifizierten die Ausschussmitglieder die Beschlussvorlage: Sie gaben die Empfehlung ab, dass die Stadt zwar am Wettbewerb teilnimmt, allerdings mit dem gedeckelten Betrag von 12.000 Euro und einer geringeren Laufzeit – und auch die Einzelhändler sollten mit ins Boot geholt werden. Der Verwaltungsausschuss hat diese Empfehlung des Fachausschusses aber nicht mit aufgenommen. Denn dem Rat wurde dann wieder die ursprüngliche Fassung zum Beschluss vorgelegt – also: vier Monate Laufzeit und 16.000 Euro. Die Stimmen im Rat: 17 Ja-Stimmen und 11 Nein-Stimmen.
