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Zeteler schlägt Alarm Apotheken zunehmend in Personalnot - was helfen könnte

Mit einem Banner im Schaufenster sucht Apotheker Dr. Rolf Bruns nach Bewerbern, die eine Ausbildung zum Pharmazeutisch Technischen Assistenten (PTA) absolvieren möchten.

Mit einem Banner im Schaufenster sucht Apotheker Dr. Rolf Bruns nach Bewerbern, die eine Ausbildung zum Pharmazeutisch Technischen Assistenten (PTA) absolvieren möchten.

Zetel - „Wir zahlen Deine Ausbildung zur PTA!“: Mit diesem Angebot wirbt der Zeteler Apotheker Dr. Rolf Bruns im Schaufenster der Apotheke am Rathaus. Der Fachkräftemangel in den Apotheken wird zunehmend prekär: Zweieinhalb freie Stellen für Pharmazeutisch Technische Assistenten und Assistentinnen gibt es in der Zeteler Apotheke, außerdem eine volle und eine halbe freie Stelle für Apotheker oder Apothekerinnen. „Ich würde sofort einstellen“, sagt Bruns. Aber warum ist es so schwer, Fachkräfte für die Apotheke zu finden?

Apotheker

Die Arbeit ist anstrengend, die Arbeitszeiten gehen mit Notdiensten schon mal über das normale Maß hinaus und die Verantwortung ist groß: Dr. Rolf Bruns kann eine ganze Reihe von Gründen aufzählen, warum der Apothekerberuf als unattraktiv empfunden wird. „Dazu kommt, dass die Versandapotheken in den 2010er Jahren so einen Aufschwung erlebt haben, dass eine intensive Diskussion entbrannt ist, ob Apotheken überhaupt noch zeitgemäß sind.“ Das habe sich mit der Corona-Pandemie geändert: „Wir haben gezeigt, dass wir unter anderem mit der Bereitstellung von Masken und der Herstellung von Desinfektionsmitteln wichtige Aufgaben erfüllen“, sagt Bruns.

Es gibt ein weiteres Problem für die öffentlichen Apotheken: Ab dem 1. Januar 2022 muss auf jeder größeren Krankenhausstation ein Apotheker Dienst verrichten. Das hat die Landesregierung als Konsequenz aus der Högel-Affäre gezogen: Mit Medikamenten hat der Pfleger Nils Högel 84 Menschen ermordet. Der Umgang mit Medikamenten soll von Apothekern begleitet werden, damit so etwas nie wieder vorkommt. „Das ist ja grundsätzlich richtig, aber die Kliniken ziehen uns jetzt das Personal weg durch bessere Arbeitszeiten und höhere Tarifgehälter.“ Die Landflucht nicht nur in dieser Branche sei ein grundsätzliches Problem.

Und: „Wenn man solche Maßnahmen erlässt, muss man vorher dafür sorgen, dass die Ausbildungskapazitäten ausreichen. Wir haben in ganz Niedersachsen nur eine einzige Universität, an der man Pharmazie studieren kann, und die ist in Braunschweig. Das ist viel zu wenig für ein so großes Bundesland.“ Nach Friesland verirren sich die Absolventen der Uni in Braunschweig selten.

PTA

Auch Pharmazeutisch Technische Assistentin (PTA) werden händeringend gesucht. „Das ist auch kein Wunder, weil es einer der wenigen Berufe im Gesundheitswesen ist, bei denen die Auszubildenden noch 250 bis 400 Euro Schulgeld im Monat zahlen müssen.“ Das sei für viele nicht zu leisten. Dr. Rolf Bruns bietet deswegen an, das Schulgeld für seine Auszubildenden zu bezahlen, wenn sie im Anschluss bei ihm arbeiten.


Die Arbeitszeiten mit 40 Wochenstunden schrecke auch viele ab. „Und es muss auch samstags gearbeitet werden, wenn die Apotheke geöffnet ist. Aber viele wünschen sich freie Wochenenden und einen frühen Feierabend.“

Auch das offizielle Einstiegsgehalt von 2150 Euro, das sich bis auf 2800 Euro steigern kann, mache den Beruf für viele unattraktiv. Dabei handelt es sich um Tarifgehälter. Dr. Rolf Bruns betont: „Eine übertarifliche Bezahlung ist in der Apotheke der Regelfall, um die Attraktivität zu erhöhen. Außerdem ist eine deutliche Tariferhöhung angekündigt.“

Forderung

Die Berufe in öffentlichen Apotheken müssten attraktiver gemacht werden, dazu müsse auch mehr Geld ins System, fordert der Apotheker. Bessere Tarife, bessere Ausbildungsbedingungen, besseres öffentliches Ansehen: Die Politik müsse aktiv dafür sorgen, dass den Apotheken nicht die Fachkräfte ausgehen. Denn: „Es ist ein tolles Arbeitsumfeld mit vielseitigen Tätigkeiten, dem Umgang mit Menschen und vielen Fortbildungsmöglichkeiten. Und wir haben gezeigt, dass wir gerade in Krisen unverzichtbar sind.“

Sandra Binkenstein
Sandra Binkenstein Thementeam Soziales
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