Zetel - Wenn er für seine Kunden Blumensträuße zusammenstellt, Gestecke arrangiert oder Töpfe bepflanzt, überlässt Jochen Sieben nichts dem Zufall. Doch wer meint, der Garten des Zeteler Floristmeisters sei genauso bis ins Detail durchgeplant, der irrt gewaltig: Rund ums Haus lässt Jochen Sieben der Natur freien Lauf. Er meint: „Man muss die Sachen einfach mal wachsen lassen.“
Im Garten der Familie Sieben wächst und gedeiht zwischen seltenen grünen Rosen und besonderen Funkien auch „Unkraut“ wie der Sumpf-Schachtelhalm (Duwock) und die Brennnessel. „Wir lassen die Beete einfach laufen, wie man sagt. Zwar sortieren wir nach Farben – wir haben blaue, lilafarbene, weiße und orange Beete –, aber die Pflanzen werden nicht danach angeordnet, ob sie zum Beispiel Schatten oder Sonne brauchen. Das wird die Pflanze uns dann schon zeigen, was sie gerne hätte.“ Zwar könne man einen Garten aufwendig planen, aber: „Letztlich kannst du dich nicht gegen die Natur auflehnen, sie wird dir immer ihren Weg aufdrängen. Du kannst entweder viel Geld und Zeit investieren, um die Natur zu formen, oder akzeptieren, dass sie den Weg vorgibt.“
Erlebnis für Kinder
Der „Öko-Garten“ bietet allerlei Lebensräume für Insekten und kleine Tiere, aber auch einen Spiel- und Erlebnisraum für die beiden sechs und acht Jahre alten Söhne der Familie. „Wir wollen den Kindern zeigen, dass Garten Natur ist. Man kann hier auch mal einen Apfel pflücken, sich gegenseitig mit Klettkraut ärgern oder Ameisen beobachten, wie sie die Blattläuse auf der Distel melken.“ Auf dem Rasen, in dem auch Gänseblümchen, Spitzwegerich, Veilchen und Königskerzen wachsen, dürfen die Jungs natürlich auch Fußballspielen.
Ein allzu sauberer und durchgeplanter Garten mache seinen Besitzer eher zum „Sklaven“, als ihm Freude zu bereiten, findet der 44-Jährige. „Und wenn man zu pingelig ist, verpasst man vieles, was die Natur zu bieten hat.“
Klar Schiff machen
Alle paar Jahre aber müsse man kräftig Hand anlegen, damit die Natur sich nicht den ganzen Garten hole. „Hier wird regelmäßig klar Schiff gemacht. Dann aber richtig, ganz rabiat mit großer Kettensäge.“ Bis dahin schneidet Jochen Sieben nur das Nötigste, und die Rosen gehören nicht zwingend dazu. „Wir haben teilweise Rosen, die blühen jetzt und haben noch die Hagebutten vom vorletzten Jahr dran. Das bleibt dann einfach mal so“, sagt Jochen Sieben.
Zu seltenen Pfingstrosenarten gesellen sich im Garten des Pflanzen-Sammlers auch eine große Trauerzeder, alle drei am Markt erhältlichen Mammutbäume und viele andere seltene Arten. „Wichtig ist nur, dass die Pflanzen über mehrere Jahre in einer Gärtnerei aus der Region produziert wurden. Sonst halten die südlicheren Arten unseren Winter nicht aus.“ Ein weiterer Tipp des Experten: „Wir räumen das Laub erst im Frühjahr weg, wenn die letzten Fröste durch sind. Dadurch haben wir viele Igel im Garten, und die fressen Schnecken. Mit dem alten Laub entfernen wir dann auch die allerletzten Schneckeneier.“
