Zetel - „Eine Zwei-Zimmer-Wohnung ist nicht für fünf Leute gedacht“, sagt Hartwig Meyer. Mit dieser Aussage will der Zeteler, aufmerksam machen. Aufmerksam auf das Wohungsproblem in seiner Gemeinde, dass mittlerweile auch Geflüchtete aus der Ukraine treffe. Meyer selbst ist Vermieter einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Zetel. Gemietet hat die Wohnung ein Ehepaar, das vor einigen Wochen – und in Absprache mit Hartwig Meyer – drei geflüchtete Familienmitglieder aus der Ukraine bei sich aufgenommen hat. Dass diese Lösung in der kleinen Wohnung nicht von Dauer sein kann, war direkt klar. Dann allerdings „wieherte der Amtsschimmel“, so Meyer. Doch von vorn.
Familie aufgenommen
Schon seit längerem hat Hartwig Meyer die kleine Zwei-Zimmer-Wohnung in Zetel an ein Ehepaar vermietet. Die Mieterin selbst ist gebürtige Ukrainerin. Als der Krieg in der Ukraine ausbrach, entschied sich das Ehepaar deshalb dazu, drei Familienangehörige bei sich aufzunehmen. In Eigeninitiative holten sie die Geflüchteten nach Zetel, schildert Vermieter Meyer. „In Zetel angekommen, hat der Ehemann sofort die Gemeinde Zetel darüber informiert, dass sie drei ukrainische Flüchtlinge aufgenommen haben und um Bereitstellung einer Unterkunft durch die Gemeinde Zetel gebeten“, erinnert er sich.
Doch da ihnen bekannt gewesen sei, wie angespannt der Wohnungsmarkt in Zetel ist, habe das Ehepaar nicht mit einer schnellen Zuweisung einer Wohnung für die drei geflüchteten Ukrainer gerechnet. Deshalb hörten sie sich selbst nach einer Alternative um – und wurden fündig. Aus Bockhorn erhielten sie ein Angebot für eine Unterkunft. Doch lange dort wohnen konnten die Geflüchteten nicht, wie Hartwig Meyer berichtet. „Durch die Anmeldung bei der Gemeinde Zetel wurden aus Flüchtlingen Asylbewerber. Und Asylbewerber dürfen die Gemeinde nicht verlassen, in der sie zuerst erfasst werden. Das wurde bei der Anmeldung aber nicht mitgeteilt“, schildert er. Und da die Gemeinde nach wie vor keine Wohnung zur Verfügung stellen konnte, mussten „die drei Personen deshalb zurück in die beengte Unterkunft“.
Steigende Müllgebühren
Die schwierigen Wohnverhältnisse sind allerdings nicht das einzige, worüber der Vermieter den Kopf schüttelt. Nur kurze Zeit nach der Anmeldung der geflüchteten Ukrainer bei der Gemeinde Zetel flatterte ein Bescheid über steigende Müllgebühren ins Haus. 20 Liter pro geflüchteter Person werden nun zusätzlich in Rechnung gestellt. Hartwig Meyer wundert sich dabei vor allem über das in dem Bescheid angegebene Datum. „Warum gilt dieser bis zum 31. Dezember 2022? Weiß die Gemeinde jetzt schon, dass sie bis dahin keine Unterkunft für die Menschen bereitstellen können?“, fragt er. Und weiter: „Sollten die Kosten nicht von der Gemeinde, dem Landkreis, Land oder Bund übernommen werden?“
Hartwig Meyer gehe es in dieser Sache vor allem um die Menschenwürde. So lange mit fünf Personen auf kleinem Raum zu leben, sei kein Zustand. Stattdessen sollte, so Meyer, in Notsituationen schnell und unbürokratisch geholfen werden können. Dennoch wolle er der Gemeinde Zetel auch keinen direkten Vorwurf machen. „Was die Anmeldung bei der Gemeinde betrifft, können die Leute auch nicht immer alles sofort parat haben. Aber können sie in solchen Fällen nicht lockerer sein?“. Er hofft weiter, dass sich für die drei geflüchteten Ukrainer schon bald eine angemessene Bleibe findet.
