Varel - Wie geht es mit dem St.-Johannes-Hospital Varel weiter? Eine Frage, die viele Menschen seit Wochen umtreibt. Denn nach Schließung der Inneren und Beschlüssen des Kreistags zur Umstrukturierung des Hauses musste erst einmal die weitere Entwicklung abgewartet werden. So stand zwar fest, dass Varel ein zentrales ambulantes Operationszentrum für Friesland erhalten und am Standort die Gynäkologie und Geburtshilfe mit dem Versorgungsauftrag für Friesland und die Wesermarsch weiterentwickelt werden soll, doch es blieb die Frage, wie das geschafft werden kann. Darüber hinaus musste ein Plan für eine 24/7-Notaufnahme für fußläufige Patienten erstellt werden.
Wie ging es dann weiter ?
Um Strategien zu entwickeln, wurden Arbeitsgruppen gebildet, in denen im Laufe der vergangenen Wochen mehr als 60 Mitarbeiter aus beiden Friesland Kliniken zusammenarbeiteten. Die Ergebnisse sollen nun am Montag, 11. März, vom Aufsichtsrat der Kliniken beraten werden. In einem Vorab-Pressegespräch am Mittwochnachmittag gaben die Verantwortlichen – Landrat Sven Ambrosy und Klinik-Geschäftsführerin Petra Hohmann – einen groben Überblick.
Welche Arbeitsgruppen gab es ?
Eine Gruppe befasste sich unter Leitung von Dr. Christoph Reiche mit der Zukunft der Frauenklinik und Geburtshilfe. Was konkret beraten wurde, wurde nicht bekannt, denn das wird erst im Aufsichtsrat präsentiert. Allerdings wurde unter anderem die Möglichkeit besprochen, Radiologie und Laborleistungen an externe Dienstleister abzugeben.
Was ist mit dem ambulanten OP-Zentrum ?
Hier arbeitete die Gruppe unter Leitung von Dr. Tim Brinkmann. Gemeinsam wurde überlegt, welcher Raumbedarf besteht, wie viel Personal benötigt wird und wie die Abläufe rund um die Operationen strukturiert werden müssen, um effizient arbeiten zu können. Wie berichtet, sollen dort später einmal rund 5000 ambulante Operationen im Jahr erfolgen, Tendenz steigend. Sobald der Aufsichtsrat grünes Licht fürs Konzept gibt, soll die Umsetzung beginnen und das Vorhaben detaillierter vorgestellt werden.
Was ist mit der Notaufnahme ?
Hier gab es konkrete Informationen, denn die Planung muss nicht mehr vom Aufsichtsrat genehmigt werden. In der Gruppe unter Leitung von Dr. Steffen Ulbrich wurden Modelle entwickelt, um auch für fußläufige Patienten – also all jene, die keinen Rettungswagen rufen müssen und in der Lage sind, sich eigenständig in die Notaufnahme zu begeben – außerhalb der Kernzeiten der Notaufnahme in Varel behandeln zu können. Wie schon einmal angedacht, soll hier nun auf das Konzept der Telemedizin gesetzt werden – als Pilotprojekt.
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Was bedeutet Pilotprojekt ?
Das Vorhabe ist ein Versuch, wissenschaftlich begleitet von der Münchner Universitätsklinik rechts der Isar. Dabei soll auch KI-gestützt gearbeitet werden.
Wenn nun umstrukturiert wird, drohen Gehaltsabstriche ?
Auf Nachfrage betonte Sven Ambrosy, dass die Tarifverträge an den Friesland Kliniken Bestandsschutz hätten. Allerdings, so räumte Petra Hohmann ein, würde es für einige Mitarbeiter Abstriche geben, wenn diese nun aufgrund der Umstrukturierung weniger oder gar keine Nacht- oder Wochenenddienste mehr leisten müssten. Es bestehe jedoch die Möglichkeit, solche Dienste in Sande zu übernehmen.
Besteht weiterhin Kündigungsschutz ?
Ja. Laut Landrat hält der Landkreis an dem Versprechen, keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen, fest.
Haben seit Bekanntwerden der Umstrukturierung viele Mitarbeiter gekündigt ?
Zu dieser Frage, zu der es auch viele Gerüchte in den sozialen Netzwerken gibt, legte die Geschäftsführerin Vergleichszahlen Zahlen vor. Nach diesen kündigten zwischen Dezember 2022 und Februar 2023 genau 22 Mitarbeiter, zwischen Dezember 2023 und Februar 2024 nun genau 28. Zu diesen, so ergänzte Landrat Ambrosy, zählten aber auch noch die Mitarbeiter der Inneren, die gekündigt hatten.
