Augustendorf/Nordkreis/Rastede - Ein dumpfer Knall. Ein kurzer Aufschrei der Insassen. Der Schock sitzt tief. Einen Unfall mit Wildtieren wünscht man keinem Autofahrer. Dennoch ist es traurige Realität – und immer wieder sind es auch Greifvögel, die am Straßenrand liegen. Aber warum ist das so ? Die NWZ hat mal bei zwei Experten nachgefragt. Doch zunächst:
Wen ruft man nach einem Wildunfall am besten an?
„Ich kann immer nur die Empfehlung geben, wenn es zu einem Wildunfall kommt und dabei Personen oder das Fahrzeug Schaden genommen hat, die Polizei anzurufen“, rät Revierleiter Onno Striowsky von der Revierförsterei Augustendorf. Denn die wenigsten würden wissen – vor allem Auswärtige nicht –, wer der zuständige Jagdpächter sei, so Striowsky. Die Polizei kann den Unfall als Wildunfall bescheinigen, wenn der Schaden bei der Versicherung gemeldet wird.
Warum erwischt es aber immer wieder Greifvögel?
„Die meisten Greifvögel werden von Autos erwischt, wenn sie die Straße von einem Revier ins andere überqueren“, sagt Klaus Meyer, Leiter der Wildtierauffangstation Rastede, der gemeinsam mit seinem Team kranke, verletzte und hilfebedürftige Tiere aus dem gesamten Nordwesten aufnimmt – somit auch aus dem Nordkreis.
Besonders tote Tiere, die am Straßenrand liegen, also Aas, werden Greifvögeln zum Verhängnis. Die Jagd nach Beute sei dabei eher weniger der Grund für Zusammenstöße, sagt Meyer. Auch wenn es passieren kann, dass Greifvögel bei der Jagd an Grünstreifen oder Fahrbahnrändern in den Windsog eines fahrendes Autos oder Lkw gezogen werden und dann kollidieren. Das würde aber nicht nur an Autobahnen oder Bundes-/Landstraßen passieren, sondern auch oft genug im täglichen Schienenverkehr. Besonders einen Greifvogel trifft es dabei besonders oft.
Welche Art ist häufiger Opfer von Unfällen?
„Den Mäusebussard, der neben Kleinsäugern wie Mäusen auch Aas frisst, erwischt es am häufigsten“, erklärt der Stationsleiter. Der Grund: Oft sind Mäusebussarde entlang von Autobahnen, Land- und Bundesstraßen auf Pfosten, Ästen oder ähnlichen, etwas höherliegenden Punkten sitzend zu sehen und auf der Suche nach Nahrung. „Wenn der Vogel dann startet, dann steigt er aufgrund seiner Größe (51 bis 57 Zentimeter lang, 113 bis 128 cm Flügelspannweite) nicht steil nach oben auf, sondern eher langsam und wird so von einem Pkw oder Lkw erwischt“, sagt Meyer. Besonders wenn er Aas frisst, kommt er nicht schnell genug weg. „Er ist ein bisschen Plump. Krähen, Raben und Dohlen sind da schneller“, so der Stationsleiter weiter. Trotz ihrer guten Sehkraft, würden sich die Tiere mit der Geschwindigkeit der Fahrzeuge schlichtweg verschätzen. Auch Turmfalken – durch ihre Schnelligkeit aber eher selten –, Schleiereulen, Waldeulen, Waldkäuze und der Uhu (besonders bei Dämmerung und nachts) kollidieren bei ihren Revierwechseln mit Fahrzeugen.
Lässt sich eine Jahreszeit festmachen?
„Gefühlt sind es die Herbst- und Wintermonate, auch weil die Vegetation dann nicht so dicht ist und die toten Vögel mehr auffallen als im hohen Gras“, sagt Meyer. In dieser Zeit seien vermehrt Bussarde, auch Jungtiere, in der Region anzutreffen, die aus Skandinavien hier runterkommen.
