FRIESOYTHE/GEHLENBERG - Die Geflügelwirtschaft macht die Kommunen für den ungebremsten Bau von Hähnchenmastställen im Raum Gehlenberg verantwortlich. Wilhelm Hoffrogge, Präsident des Landesverbandes der Niedersächsischen Gefügelwirtschaft, sagte am Dienstag während einer vom Nordwestradio organisierten Diskussion im Friesoyther Forum, es stelle sich die Frage, „warum die Kommunen nicht schon viel früher reagiert“ hätten. Hoffrogge: „Da haben die Kommunen versagt. Dafür kann man die Geflügelwirtschaft nicht verantwortlich machen.“
Hoffrogge warb gleichzeitig um Verständnis für das Vorgehen der Hähnchenmäster. Sie schafften Arbeitsplätze und sorgten für Wohlstand in der Region. Die Bevölkerung müsse sich mit den Geflügelhaltern arrangieren. Eine Studie von 2000 belege, dass das Krankheitsrisiko in Gehlenberg nicht höher sei als in anderen Orten.
An der Diskussion nahmen vor gut 150 Zuhörern neben Moderator Martin Busch und Hoffrogge der CDU-Bundestagsabgeordnete und Vizepräsident des Landvolks in Niedersachsen, Franz-Josef Holzenkamp, Friesoythes Bürgermeister Johann Wimberg sowie Manfred Meinsen vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) teil. Wimberg warnte vor dem Bau weiterer Ställe: „Wir haben die große Sorge, dass wir in diesem Bereich wegen der hohen Emissionen die Gewerbe- und Siedlungsentwicklung nicht fortsetzen können.“
Zwischen Gehlenberg und Neuscharrel sollen – wie berichtet – mehrere Ställe mit bis zu 600 000 Tierplätzen entstehen. Nach Angaben von Wimberg werden im Raum Gehlenberg bereits 4,5 Millionen Hähnchen gehalten.
Neuscharrels Ortsvorsteher Hans-Gerd Eilers wies auf eine Häufung von Atemwegserkrankungen bei den rund um die Ställe lebenden Menschen hin. Ihre Zahl sei dreimal so hoch wie in unbelasteten Regionen. Die Angst der Bürger sei berechtigt. Eilers sprach sich für eine wissenschaftliche Untersuchung der Gefahren durch die Abluft aus den Ställen aus.
Die Konzentration von Ställen habe politische Gründe, sagte Manfred Meinsen. Die Stadt sei gefordert, das Problem in den Griff zu bekommen. Sie hätte frühzeitiger eingreifen müssen, um dörfliche Entwicklung zu gewährleisten. Franz-Josef Holzenkamp erklärte, das Baugesetzbuch gebe den Kommunen durchaus Steuerungsmöglichkeiten an die Hand. Zur aktuellen Entwicklung in Gehlenberg meinte der Abgeordnete: „Man kann objektiv feststellen, dass die Grenzen erreicht sind. Wir müssen die Sorgen ernst nehmen und nach vernünftigen Lösungen suchen.“
