FRIESOYTHE - „Wollen wir Thüle aussterben lassen?“, fragte CDU-Ratsherr Heinz Bischoff seine Ratsmitglieder auf der Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses der Stadt Friesoythe am Mittwochabend. Bischoff richtete sich direkt an die Mitglieder der SPD-Fraktion, die zuvor durch Renate Geuter verlauten ließen, einem geplanten Baugebiet in der Ortschaft nicht zuzustimmen. Es war eine eher rhetorisch gemeinte Frage, denn das wolle man natürlich nicht. Im Gegenteil: „Es wird allerhöchste Zeit, dass wieder junge Familien in den Ort ziehen“, so Bischoff. Und das ginge nur mit einem neuen Baugebiet. Man habe ja auch Verständnis für den Wunsch neuer Wohnbauflächen in Thüle, so SPD-Ratsfrau Geuter, doch gegen dieses konkrete Vorhaben habe man Bedenken, da eine Waldfläche von rund 40 000 Quadratmetern beseitigt werden müssten. „Dafür müssen wir Kompensationsleistungen erbringen, das kommt uns teuer zu stehen“, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende.
Zuwegung über Spielstraße
Zuvor stellte Fachbereichsleiter Peter Fabian den Bebauungsplan für Thüle vor. Wie dieNWZ
bereits berichtete, sollen auf dem Areal nördlich der Thüler Kirchstraße je nach Zuschnitt etwa 40 Bauplätze entstehen. Die Zuwegung soll über den Bussardweg erfolgen. Fabian geht davon aus, dass der Bebauungsplan den Bedarf an Grundstücken für die kommenden fünf bis zehn Jahre abdecke. Er rechne mit vier bis acht vermarkteten Bauplätzen pro Jahr.Kritisiert wird dieses Vorhaben von einigen Anliegern des Bussard-, Sperber- und Habichtweges. So sei unter anderem aus dem Umweltbericht zu entnehmen, dass die Planfläche eine wichtige Funktion für die Luftreinhaltung und Frischluftversorgung besitze, heißt es seitens der Anwohner. Zudem halten sie den Bussardweg – eine Spielstraße – als Erschließungsstraße für nicht geeignet und sehen das Wohl der spielenden Kinder in Gefahr. Auch ein damals zugesagtes Waldstück als feste Pufferzone werde überplant, kritisieren sie. „Der Flächennutzungsplan sieht dort seit Jahren Wohnbebauung vor. Das ist den Bewohnern bewusst“, konnte CDU-Ratsherr Josef Trenkamp die Einwände der Anwohner nicht verstehen.
Das Niedersächsische Forstamt hat in einem Schreiben an die Stadt „erhebliche Bedenken“ vorgetragen. So heißt es unter anderem: „Die Waldfunktionen lassen sich durch Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen an anderer Stelle nicht kompensieren.
Ausgleichsflächen gesucht
„Nach den Aussagen des Umweltberichtes und in Anbetracht der großzügigen Ersatzaufforstungen im Verhältnis 1:1 geht die Stadt davon aus, dass die Waldfunktionen kompensiert werden können“, heißt es seitens der Stadt. Derzeit stehe man mit der Forstverwaltung und diversen Grundeigentümern in Verhandlungen bei der Auswahl einer geeigneten Ausgleichsfläche für die erforderliche Ersatzaufforstung. Mit CDU–Mehrheit wurde am Ende der Diskussion einem Beschlussvorschlag, der den Bebauungsplan als Satzung beschließt, zugestimmt.
