FRIESOYTHE - FRIESOYTHE - Ins kalte Wasser geschmissen wurden zum neuen Schuljahr die Politiklehrer. Diese mussten aufgrund der vorgezogenen Bundestagswahlen ihre Lehrpläne auf das aktuelle Thema anpassen. „Bei uns greifen alle Politiklehrer die Neuwahlen auf, ausgerichtet auf die jeweiligen Richtlinien und Klassenstufen“, erzählt Jutta Nuss, die am Albert-Magnus-Gymnasium (AMG) in Friesoythe Politik und Deutsch lehrt. In ihrem Leistungskurs in der zwölften Klasse geht es momentan um das Thema „Die politische Ordnung der Bundesrepublik Deutschland“.

Als Vorbereitung auf die Bundestagswahl mussten die 14 Schüler, darunter fünf wahlberechtigte Erstwähler, Wahlprogramme bearbeiten. „Sie sollen die Wahlprogramme und andere Medien kennen lernen, um später entscheiden und beurteilen zu können, besonders im Hinblick auf die Erstwähler“, erzählt Jutta Nuss. So wurde auch schon das TV-Duell diskutiert, außerdem steht das Testen des „Wahl-O-Mats“ im Internet auf dem Programm.

Lohnenswert fanden die AMG-Schüler den Vergleich der Programme auf jeden Fall. „Sonst hört man nur die Wahlversprechen, wodurch man nichts Konkretes erfährt, so kann man sich dann einen Überblick verschaffen“, erzählt Karina. Trotzdem sollte man sich nicht nur bei seiner Wahlentscheidung auf eine Quelle stützen. „Die Wahlprogramme hören sich ja sowieso alle sehr positiv an“, fügt Bernd hinzu. Kritisiert wird auch, dass oftmals nicht konkret gesagt wird, was genau gemacht werden soll und wie die jeweiligen Parteien dies umsetzen wollen. „Das alles wird noch durch unverständliche Fachbegriffe verkompliziert“, äußert Katharina ihren Unmut. Außerdem seien die Programme im Großen und Ganzen recht gleich, so Erstwähler Markus. Trotzdem konnte ihn die Arbeit mit den Wahlprogrammen in seiner Wahlentscheidung verunsichern. „Ich dachte, ich hätte mich schon entschieden, doch ich habe dann festgestellt, dass die Partei ganz andere Meinungen vertritt als ich angenommen habe“, erzählt er.

Auch die Schüler der Fachoberschule Wirtschaft (FOW) haben das aktuelle Thema in ihren Politikunterricht aufgenommen und gehen zusammen mit ihrem Lehrer Ludger Burwinkel die Wahlprogramme durch. Die 25 wahlberechtigten Schüler wollen alle ihr Wahlrecht wahrnehmen. „Das ist ja schon unsere Bürgerpflicht“, meint Dennis. Dabei seien die Wahlprogramme eine große Hilfe für die Wahlentscheidung. Auch Erfahrungswerte und Vergleiche mit anderen Ländern sollten darin mit einfließen. Veranstaltungen wie das TV-Duell zwischen Schröder und Merkel seien dagegen irrelevant für die Schüler der FOW. So etwas sei eher für Erstwähler entscheidend, die nur nach nach Sympathie für einen Kanzlerkandidaten gehen würden. Letztendlich sollte man aber auch bei dem Blick in das Wahlprogramm realistisch bleiben. „Es werden Versprechen gegeben, die gar nicht erreicht werden können, außerdem sind Statistiken und Zahlen geschönt“, so ein Schüler.