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NWZonline.de Region Cloppenburg Gemeinden Friesoythe

Geschichte mit Leben füllen

12.09.2012

Friesoythe Wenn es um Eisenverhüttung geht, denkt man in der Regel zuerst an Bergwerksregionen, vielleicht an das Ruhrgebiet oder das Siegerland, aber wohl kaum an die norddeutsche Tiefebene. Doch die Stadt Friesoythe beweist, dass es auch anders sein kann. So verwundert es dann auch den staunenden Betrachter, wenn gerade hier schon im Mittelalter Eisen gewonnen und verhüttet wurde.

Tatsächlich trug die Eisengewinnung lange vor der Industrialisierung in Friesoythe zu einer wirtschaftlichen Blütezeit der Stadt bei. Aus dem hier reichlich vorkommenden Raseneisenerz und dem Schwarztorf gewann man vor Jahrhunderten das Eisen. In so genannten Rennöfen, aus Lehm geformten Säulenöfen, verhüttete man das Erz zu schmiedbarem Eisen. Daraus fertigten die Friesoyther Schmiede dann Sensen, Sicheln und Beile, die wegen ihrer Qualität und Güte bis in den holländischen Raum hinein gefragt waren.

Auf diese einzigartige Geschichte kann die Stadt Friesoythe aufbauen. Friesoythe ist seit 2004 die nördlichste deutsche Stadt im „Ring der Europäischen Schmiedestädte“ (www.ironcities.net). Durch die Zerstörungen im Laufe der letzten Jahrhunderte und zuletzt durch den Zweiten Weltkrieg gibt es in der Stadt an der Soeste heute wenig noch erhaltene alte Bausubstanz oder Monumente, die an die Schmiedegeschichte von einst erinnern könnten.

Daher hat die „Eisenstadt Friesoythe“ Blick auf 700 Jahre Stadtrechte die Weichen gestellt für eine zeitgenössische Aufarbeitung dieses besonderen Stadtprofils. Mit moderner Schmiedekunst und Metallgestaltung will man im Laufe der Zeit Spuren im Stadtbild erkennbar machen, damit die Kommune ihr unverkennbares Gesicht als Eisenstadt wieder sichtbar werden lässt.

Nicht zuletzt durch die Ausstellung „Eisenart“ hat Friesoythe 2008 zum Stadtjubiläum Besucher aus verschiedenen Teilen Deutschlands angezogen und begeistert. In einem Symposium internationaler Schmiede entstand ebenfalls im Jubiläumsjahr die „Brücke der Freundschaft“, ein geschmiedetes Brückengeländer mit zwei Stelen, in denen sich alte und neue Zunftzeichen der Schmiede wieder finden. Weiterhin dokumentiert die von Alfred Bullermann geschaffene Skulptur „Eisen1“ die Friesoyther Schmiedegeschichte in eindrucksvoller Form. Nicht zuletzt das Denkmal vom „Sensenschmied“ in der Stadtmitte vor der Marienkirche erinnert an diese besondere Geschichte Friesoythes.

Auch die „Katharinenglocke“ von 1478 findet als Friesoyther Friedensglocke und als Skulptur „Eisen2“ in einem Glockenturm aus Cor-Ten-Stahl seit 2009 ihren Platz im Friesoyther Stadtpark. Das Projekt „Der Eiserne Kreuzweg“ – gefördert u.a. von der Oldenburgischen Landschaft, konnte unter Beteiligung von 15 Schulen der Stadt Friesoythe feierlich im April 2011 durch Weihbischof Heinrich Timmerevers im Stadtpark eingeweiht werden. Das „Friesoyther Eisenfest“ ist in seiner Art und Ausrichtung einmalig im Oldenburger Land und auch darüber hinaus.

Während manch andere Stadt nahezu verzweifelt nach einem eigenen Profil sucht, kann sich Friesoythe nachvollziehbar und authentisch auf eine besondere Geschichte beziehen und darauf aufbauen. Die Stadt will zukünftig stetig und ausdauernd das Thema der Eisen- und Schmiedegeschichte aufgreifen und mit Leben erfüllen.

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