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NWZonline.de Region Cloppenburg Gemeinden Friesoythe

Von der Taufe zur Dekontamination

28.07.2015

Friesoythe Sandra Langer (29) maß dem kleinen Päckchen, das am Sonnabend zugestellt wurde, keine große Bedeutung bei. Eine Büchersendung. Sie packte das Buch mit Papiermustern aus und warf es mehr oder weniger achtlos in eine Spielzeugkiste. Die Zeit drängte: Sandra Langer musste mit Mann Jens (36) und der zweijährigen Tochter Lina zu einer Tauffeier nach Garrel. Erst am Abend erfuhr die Familie von dem Unfall mit dem giftigen Stoff Natriumselenit im Warenverteilzentrum eines Paketdienstes im ostfriesischen Uplengen.

Dort war – wie berichtet – das Gefahrgut aus einem beschädigten Paket ausgetreten, das auf einem Förderband lag. Etwa zehn Mitarbeiter des Unternehmens wurden durch den Rettungsdienst versorgt und kamen zunächst in ärztliche Betreuung. Teilweise klagten sie über Atemwegsbeschwerden.

Da das Paket auf einem Förderband transportiert wurde, bestand die Gefahr, dass auch andere Pakete und damit Personen mit dem Stoff kontaminiert wurden. Betroffen waren die Bereiche Frie­soythe, Westerstede und Wardenburg. 170 Menschen haben sich schließlich in Uplengen untersuchen lassen – so wie Familie Langer und viele andere Friesoyther.

Den Anruf der Polizei erhielt Jens Langer gegen 19.30 Uhr. Das am Morgen zugestellte Paket hatte das Paar zunächst gar nicht im Sinn, erinnerte sich erst später an die Büchersendung. Jens und Sandra Langer setzten sich mit den übrigen 14 Besuchern der Tauffeier in Verbindung. „Die meisten wollten erst einmal abwarten“, berichtet Sandra Langer im Gespräch mit der NWZ. Doch die Familie des Bruders, ebenfalls aus Friesoythe, fuhr mit nach Remels, um sich dekontaminieren zu lassen. Sandra Langer: „Das wurde uns nahe gelegt.“

Jens Langer packte den Paketumschlag und das Buch in eine Plastiktüte und nahm beides mit nach Remels. Eigentlich hätte beides von der Feuerwehr Zuhause abgeholt werden sollen.

Die Feuerwehren aus Altenoythe und Friesoythe wurden aber nicht eingesetzt. Die Feuerwehr Friesoythe musste lediglich Medikamente aus dem Friesoyther Krankenhaus nach Remels bringen, sagte Friesoythes Ortsbrandmeister Matthias Schmidt am Montag im Gespräch mit der NWZ. Im Anschluss habe es noch eine Lagebesprechung auch mit dem Gefahrgutzug gegeben. Aber weiter habe man nicht tätig werden müssen.

Gedanken machte sich die Familie schon – zumal Sandra Langer schwanger ist, in sieben Wochen ihr zweites Kind erwartet. Vor Ort wurden die Eheleute untersucht und bekamen Cortison-Tabletten, eine kleinere Dosis gab es auch für Tochter Lina. Ihre Anziehsachen mussten sie dort lassen. Die Dusche zur Dekontamination blieb ihnen aber erspart. Um etwa halb zwölf lag die Zweijährige in ihrem Bett. Erkrankungen seien nicht festgestellt worden, berichtet Jens Langer.

Wie die Polizeiinspektion Leer/Emden am Montag mitteilte, sollte der gefährliche Stoff nach Friesoythe versendet werden. Der Empfänger sei zum Umgang mit dem Gefahrgut berechtigt. Der Stoff sollte hier im Bereich einer Biogasanlage regulär und ordnungsgemäß eingesetzt werden. Die Ermittlungen zum Versender und zu Tatbeständen, die das Gefahrgut und den sicheren Umgang mit diesem betreffen, dauern an.

Reiner Kramer stv. Redaktionsleitung Friesoythe / Redaktion Münsterland
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