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NWZonline.de Region Cloppenburg Gemeinden Friesoythe

Von früh bis abends Trümmer beseitigt

01.04.2009

FRIESOYTHE An den Kriegsbeginn 1939 erinnert sich Heinrich Kuhlmann aus Friesoythe noch genau: Die bekannte Rede, in der Adolf Hitler den Angriff auf Polen verkündete, wurde am Vormittag im Rundfunk übertragen. „Nicht alle hatten damals ein Radio, aber wir hatten eins“, sagt der 80-jährige Friesoyther. „Mein Vater hatte das Bürofenster geöffnet, so dass auch die Nachbarn die Rede hören konnten. Und ich sah, wie die Frauen, die gerade im Hof standen, in Tränen ausbrachen.“ Denn die männlichen Familienmitglieder hatten bereits ihre „Gestellungsbefehle“ – heute würde man „Einberufungsbescheide“ sagen – erhalten. Und mit der Rede war klar, dass die Männer in den Krieg ziehen würden.

Aufmärsche in der Stadt

Auch die Bilder der Kriegszeit in Friesoythe hat Heinrich Kuhlmann noch vor Augen: Der Reichsarbeitsdienst, der drei Kilometer entfernt in Heetberg ein Lager hatte, marschierte regelmäßig in der Stadt auf, ebenso das Trommler- und Fanfarenkorps der Hitlerjugend (HJ). „Die Nationalsozialisten hatten die Jugend fest im Griff“, erinnert sich Kuhlmann. „Ich war auch in der HJ, meine streng gläubige Mutter verbot mir aber, mich zu Hause in HJ-Uniform an den Tisch zu setzen.“

Kuhlmann wurde Ende 1944 zur Luftwaffe eingezogen und geriet bis September 1945 in Kriegsgefangenschaft. Während seiner Abwesenheit griffen alliierte Tiefflieger das Haus der Familie Kuhlmann an der Moorstraße an. „Mein vierjähriger Bruder starb dabei nachts im Bett, ebenso der Nachbarssohn Wilhelm Knelangen“, blickt Kuhlmann zurück. „Grund für den Angriff war, dass in den letzten Kriegstagen in der Werkstatt meines Vaters Militärfahrzeuge repariert wurden“, so der 80-Jährige.

Aufbau in Eigenregie

Als Heinrich Kuhlmann im September 1945 nach Friesoythe zurückkam, lag die Stadt fast vollständig in Trümmern. „Man konnte vom Krankenhaus bis zum Alten Rathaus gucken, ohne dass einem irgendein Gebäude die Sicht versperrt hätte“, sagt Kuhlmann. „Wie fast alle Heimkehrer musste ich von morgens bis abends Schutt wegräumen, Trümmer beseitigen und Steine klopfen.“ Ihr Haus konnte die Familie in Eigenarbeit erst nach und nach wieder aufbauen.

Ende 1947 verließ Heinrich Kuhlmann Friesoythe, um zunächst in Hannover, danach in Aachen zu studieren. Die Semesterferien verbrachte er im Elternhaus in Friesoythe, um für die Fahrrad- und Autowerkstatt seines Vaters die Buchhaltung zu machen. Aus seinen Aufenthalten in Friesoythe erinnert er sich an die „Hamsterer“. So nannten die Friesoyther Großstadtbewohner – unter anderem aus dem Ruhrgebiet –, die mit dem Zug in die Soestestadt kamen, um im Austausch gegen Wertgegenstände Lebensmittel zu erhalten.

„Zur Währungsreform am 20. Juni 1948 war ich wieder in Friesoythe“, erinnert sich Kuhlmann. Jeder Bürger erhielt damals 40 DM in bar. Ansonsten wurde Reichsmark gegen DM mit dem Kurs 1:10 getauscht. „Leider blieben aber Grundschulden und Hypotheken mit dem Kurs 1:1 bestehen“, sagt Heinrich Kuhlmann, der das rückblickend als ungerecht ansieht.

Nie gekannte Freiheiten

Die Verabschiedung des Grundgesetzes 1949 diskutierte der heute 80-Jährige viel mit seinen Studienkollegen. „Für uns war das damals ein ganz wichtiges Ereignis. Das Grundgesetz garantierte uns nie gekannte Freiheiten“, sagt Kuhlmann. „Eine gewisse Skepsis, ob das nach den Erfahrungen der Weimarer Republik funktioniert, gab es, aber wir hatten 1949 einfach politische Persönlichkeiten, die Vertrauen ausstrahlten.“

Kuhlmann nutzte die neu gewonnenen Freiheiten und die Aussöhnung mit den ehemaligen Kriegsgegnern unter anderem zu einem längeren Studienaufenthalt in den USA und Kanada.

Nachdem er ab 1957 in Düsseldorf berufstätig gewesen war, kehrte Kuhlmann nach dem Tod seines Vaters 1963 nach Friesoythe zurück.

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