Santo André - Mit dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien beginnen auch für die Berliner Fans vier Wochen Feiern, Jubeln oder Leiden. Zahlreiche Kneipen, Biergärten und Strandbars laden zum gemeinsamen Fußball-Sehen ein. Der originellste Ort ist wohl das Stadion an der Alten Försterei von Union Berlin, wo Fans die Spiele auf ihrem eigens mitgebrachten Sofa oder auf den Tribünen verfolgen können. Die Fanmeile am Brandenburger Tor eröffnet erst am Montag. In Mitte warfen Linksautonome die Schaufensterscheiben eines Adidas-Ladens ein, um gegen die WM zu protestieren.

Am Brandenburger Tor wurden am Donnerstag mit Hilfe großer Kräne die Hauptbühne sowie Tribünen aufgebaut. Zahlreiche Lastwagen lieferten Technik und Getränkefässer an. Montagmittag soll die 700 Meter lange Fanmeile zum ersten Spiel der deutschen Mannschaft gegen Portugal (18.00 Uhr) eröffnet werden.

Zehntausende Fans werden dann vor der Hauptbühne mit einem 60 Quadratmeter großen Bildschirm und acht weiteren Videoschirmen erwartet. Die Straße des 17. Juni ist bis zur Siegessäule fast fünf Wochen lang gesperrt. Übertragen werden WM-Spiele an 13 Tagen.

Mit einem acht Kilometer langen Zaun, der in diesem Jahr zusätzlich als Reklamewand genutzt wird, sind die Fanmeile auf der Straße des 17. Juni und umliegende Teile des Tiergartens abgesperrt, insgesamt rund 100 000 Quadratmeter. Der neuartige Zaun soll sicherer sein als frühere Modelle. Er könne nicht umgeworfen oder überklettert werden, sagte der Veranstalter Willy Kausch am Donnerstag. 300 Ordner sollen an den Eingängen Taschen kontrollieren und für Sicherheit sorgen. Bei den Deutschland-Spielen sollen es bis zu 450 sein.

Je nach Fülle können sich zwischen 50 000 und 100 000 Menschen auf dem Gelände aufhalten. Die Veranstalter rechnen mit einem Kommen und Gehen in den zwölf Stunden Öffnungszeit. Insgesamt könnten es also mehr Besucher sein. Bei den deutschen Spielen könnten die Eingänge schon lange vor dem Anpfiff wegen der Gefahr der Überfüllung geschlossen werden.

Einmalig können Fans statt des Reporter-Kommentars auch die Begleitung eines Fußballspiels durch eine Kirchenorgel genießen. Der Stummfilmpianist Stephan Graf von Bothmer spielt zum Spiel Spanien - Niederlande am Freitagabend Orgel, Flügel und Keyboards in der Berliner Emmaus-Kirche. Die Musik kommt von Beethoven, Rachmaninoff, Deep Purple oder Pink Floyd und soll zur jeweiligen Spielsituation passen und Spannung, Freude oder Enttäuschung widerspiegeln.

Eine Gruppe von etwa 14 Vermummten zerstörte in der Nacht zu Donnerstag mit Steinen und Schlagwerkzeugen die Scheiben und Türen des Adidas-Geschäfts in der Münzstraße. Sie versuchten Müllcontainer anzuzünden und stoppten ein Polizeiauto, indem sie die Reifen beschädigten, wie die Polizei mitteilte.

In einem Bekennerschreiben im Internet wurde Adidas als einem der Hauptsponsoren der WM vorgeworfen, an Ausbeutung und Unterdrückung der brasilianischen Bevölkerung beteiligt zu sein. Die Firma aus Herzogenaurach erklärte: „Wir verurteilen jegliche Form von Randale, Sachbeschädigung und Gewalt.“

Einen Monat vor Beginn der WM, am 12. Mai, hatten Autonome mehr als 20 Scheiben der brasilianischen Botschaft in Berlin eingeworfen. In Brasilien protestieren seit längerem zahlreiche Menschen gegen die WM und fordern Maßnahmen gegen die Wohnungsnot sowie bessere Arbeitsbedingungen.