Oldenburg - Was haben Robin Hood, Wilfried Stubbe und Rach der Restauranttester gemeinsam? Probleme mit Männern in kurzen Hosen. Schließlich sorgen die Fußballer bei der WM in Brasilien seit Wochen in ARD und ZDF dafür, dass die Filme und Shows der Konkurrenz-Fernsehsender Mini-Quoten einfahren.
Da mag der Held aus dem Sherwood Forest mit dem Bogen noch so treffsicher sein, als das zweite deutsche Gruppenspiel gegen Ghana lief, wollte die überwiegende Mehrheit der Zuschauer Mario Götzes Schüsse sehen. Kevin Costner bekam auf Sat. 1 als König der Diebe von König Fußball richtig was auf die Kapuze. Während 24,54 Millionen (76,3 Prozent Marktanteil) Fans das 2:2 von Löws Löwen sahen, erlebten nur 640 000 Zuschauer (2,2 Prozent) die Rückkehr von König Löwenherz. Stubbe stolperte zwar auch über den Fußball, hatte aber immerhin 2,64 Millionen Zuseher (9,0).
Die Episode „Querschläger“ der ZDF-Krimi-Reihe stammt aus dem Jahr 2011. Genau wie die Folgen von Rach dem Restauranttester, die RTL in den Kampf gegen die Vorberichte auf die Spiele Brasilien - Kamerun und Mexiko - Kroatien schickte. Dem Sternekoch wurde die Suppe versalzen. 2,22 Millionen Zuschauer gegenüber 6,18 Millionen der Konkurrenz dürften RTL nicht geschmeckt haben. Zumal die Konferenzschaltung der Spiele 10,33 Millionen Fans sahen.
Algerien erfolgreich
Wer sich einen Überblick darüber verschafft, was die Nicht-WM-Sender so in den Kampf gegen die Fußball-Übertragungen schicken, erkennt schnell ihre Strategie: die bedingungslose Kapitulation – noch bevor der erste Schuss aufs Tor abgegeben wurde. Eine Wiederholung jagt die nächste. So können selbst „Knallerspiele“ wie Algerien - Südkorea (8,13 Millionen) die Konkurrenz distanzieren. Auch ein guter Film wie „Robin Hood, König der Diebe“ zieht eben nicht, wenn er zum gefühlt 30. Mal in vier Jahren läuft.
Das gilt auch für „Sex and the City: Der Film“. Die Hoffnung ProSiebens auf viele weibliche Zuschauer wurde enttäuscht. Carrie Bradshaw präsentierte ihre unzähligen Schuhe fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Hätte sie wenigstens Fußballschuhe getragen, vielleicht wären mehr als 950 000 Zuschauer dabei gewesen. So blieb ProSieben in Gruppe A nur Platz vier – raus in der Vorrunde. Auch „Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter“ war weit davon entfernt, Spitzenreiter zu werden. Als Gruppendritter mit 1,66 Millionen Interessierten schied RTL ebenfalls aus. Gruppenerster wurde die ARD mit dem Spiel Uruguay - Costa Rica (9,46). Als Zweiter überstand das ZDF mit dem Wilsberg-Krimi (5,0) die Vorrunde – wohlgemerkt mit einer Folge aus dem Jahr 2010.
Den Vogel im Wiederholungs-Wirrwarr schoss aber RTL ab. Dem Spiel Niederlande - Spanien versuchte der Sender mit „10 Jahre – Die ultimative Chart Show“ Konkurrenz zu machen. Die Idee, den zehnten Geburtstag der Sendung mit elf Jahren noch einmal zu feiern, kam nicht gut an. Lediglich 1,82 Millionen Zuschauer sorgten dafür, dass an dem Abend nicht nur Spanien unterging – was übrigens 14,58 Millionen Menschen im ZDF verfolgten.
Niveau der WM 2010
Die öffentlich-rechtlichen Sender freut’s. Am Donnerstagnachmittag holte sich das ZDF mit dem Spiel Deutschland - USA einen neuen Rekord für die laufende WM: 27,25 Millionen (84,2 Prozent) schalteten ein – die Fans beim Public Viewing nicht eingerechnet. Die Resonanz liegt nun etwa auf dem Niveau der WM 2010 in Südafrika, die den deutschen Zuschauern kaum Zeitverschiebungen zumutete. Da schaut die Konkurrenz in die Röhre.
Zugegeben, die WM macht es den privaten Sendern schwer. Aber es gilt die Fußball-Weisheit: Ein Team spielt immer so stark, wie es der Gegner zulässt. Und die Konkurrenten der öffentlich-rechtlichen Sender wirken einfach unmotiviert . . .
