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NWZonline.de Fussball WM 2014

WM verdrängt Alltagssorgen

01.07.2014

Kabul Sayed Abdul Samad aus Kabul hat bislang jedes Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft gesehen. Weil zwischen Afghanistan und Brasilien siebeneinhalb Stunden Zeitunterschied liegen, muss sich der 50-Jährige dafür die Nächte um die Ohren schlagen. „Ich habe einen Block, in dem ich alle Spiele notiere. Die Zeiten, Länder, Ergebnisse und die Leistung der Spieler“, erläutert der Automechaniker.

Fußball ist eine der drei beliebtesten Sportarten in Afghanistan, neben Ringen und Buskaschi, einem archaischen Nationalspiel, bei dem Reiter um den Kadaver einer Ziege kämpfen. Der Fußballverband Afghanistans wurde bereits 1922 gegründet. Die meisten der Fans in dem armen, kriegsgeplagten Staat sind Kinder. In Kabul und anderen Städten sieht man sie in Trikots der großen Weltfußballer, Cristiano Ronaldo etwa, Lionel Messi oder Neymar.

Der Sechstklässler Abdul Matin arbeitet nach der Schule in einer Bäckerei, erst spät kommt er nach Hause. „Ich kann immer das zweite Spiel sehen“, erzählt der Elfjährige. Eigentlich müsse er früh aufstehen, um in die Moschee zu gehen. „Aber derzeit verpasse ich das schon mal, weil ich spät schlafen gehe und nicht rechtzeitig aufstehen kann.“ Bei der WM hält Abdul zu Brasilien – sein Lieblingsspieler ist Neymar.

Stellenwert steigt

Fußball ist in Afghanistan noch prominenter geworden, seit die Nationalmannschaft 2013 als krasser Außenseiter im Finale der Meisterschaft des Südasiatischen Fußballverbandes (SAFF) Indien mit 2:0 bezwang – auch dank der Paraden von Mansur Faqiryar, Torwart des Fußball-Regionalligisten VfB Oldenburg. In der Fifa-Weltrangliste kletterte Afghanistan daraufhin von Platz 139 auf Platz 132.

Nationalheld Faqiryar

In seinem Heimatland ist Nationalmannschaftskapitän Faqiryar nach dem ersten Titelgewinn der afghanischen Verbandsgeschichte zu einem Nationalhelden avanciert. „Durch unseren Sieg wurden die Menschen vom Alltag abgelenkt“, sagte der 28-Jährige.

Das gilt auch für die WM. Übertragen werden die Spiele im afghanischen Fernsehen vom privaten Sender „Ariana“, der die Rechte innehat. Doch auch andere Sender zeigen die Begegnungen aus Brasilien. „Die anderen Sender übertragen die Spiele illegal“, klagt Ali Kazemi von „Ariana“. Sein Sender habe bereits Beschwerde gegen die unerlaubte Übertragung eingereicht; passiert sei bislang nichts.

Laut Kazemi überlagern aber die politischen Programme im afghanischen Fernsehen das Interesse an der WM. Denn auch wenn die Afghanen gerne Fußball schauen: Wichtiger ist ihnen die Politik. Gespannt warten sie auf das Ergebnis der Stichwahl ums Präsidentenamt vom 14. Juni, die von Betrugsvorwürfen überschattet wird. „Die Präsidentschaftswahlen haben alle Bereiche des Lebens in diesem Land beeinflusst“, sagt Kazemi. Die Menschen wollten wissen, wer die Wahlen gewonnen hat. „Deshalb ist ihr Interesse an Sportprogrammen zurückgegangen.“

Fußball war eine der Sportarten, die die Taliban während ihres Regimes in Afghanistan von 1996 bis 2001 nicht verbannt haben. Taliban-Kämpfer mögen das Kicken auch selbst. „Ich spiele und schaue sehr gerne Fußball“, sagt Mullah Basir, ein Taliban aus der nordafghanischen Provinz Kundus. Nur ansehen könne er sich die Spiele der WM nicht immer – häufig gebe es keinen Strom.

Henning Busch Lokalsport / Redaktion Friesland
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