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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga

Klinsmann lässt Hertha im Regen stehen

12.02.2020

Berlin Im schwarzen Sakko schwärmte Jürgen Klinsmann noch am Montagabend in einem Szene-Lokal über seine Ziele mit Hertha BSC – nur 14 Stunden später stürzte er die Berliner ins ganz große Chaos. Mit seinem Rücktritt als Chefcoach nach nur elf Wochen via Facebook schockierte der frühere Bundestrainer den Fußball-Bundesligisten.

„Gerade im Abstiegskampf sind Einheit, Zusammenhalt und Konzentration auf das Wesentliche die wichtigsten Elemente“, erklärte der einstige Bundestrainer am Dienstag um 10.10 Uhr schriftlich in dem sozialen Netzwerk. „Sind die nicht garantiert, kann ich mein Potenzial als Trainer nicht ausschöpfen und kann meiner Verantwortung somit auch nicht gerecht werden.“ Nun wolle er sich auf seine Aufgabe als Aufsichtsratsmitglied zurückziehen.

Vor Training informiert

Für Hertha heißt es nun: Big City Chaos statt der selbsterklärten Vision vom Big City Club. Klinsmanns Rücktritts-Erklärung weist auf tiefe Gräben im Kampf um Kompetenzen und Macht mit der Vereinsführung um Geschäftsführer Michael Preetz hin. „Nach meinem Verständnis sollte ein Trainer – nach dem englischen Modell – die gesamte sportliche Verantwortung tragen. Also auch über Transfers. Das gibt der Position wesentlich mehr Power“, sagte der 55-Jährige der „Bild“-Zeitung am Dienstagabend. „Wir haben in den vergangenen Tagen deutliche Reaktionen und Anzeichen bekommen, dass sich die angesprochene Situation nicht verbessert, sondern eher noch verschlechtert.“ Bei Hertha ist Preetz für Transfers zuständig.

Klinsmann unterrichtete die Spieler wie Manager Michael Preetz erst kurz vor dem Training am Dienstagvormittag. „Insbesondere nach der vertrauensvollen Zusammenarbeit hinsichtlich der Personalentscheidungen in der für Hertha BSC intensiven Wintertransferperiode gab es dafür keinerlei Anzeichen“, sagte Geschäftsführer Preetz.

Klinsmann bekam nach seinem Amtsantritt am 27. November viele Wünsche erfüllt: Der Trainingsstart im Winter wurde vorverlegt, das Vorbereitungscamp in den USA verkürzt. Mit dem Geld von Investor Lars Windhorst ging es auf Rekord-Einkaufstour, für 80 Millionen Euro wurden vier neue Spieler verpflichtet.

Immer wieder wurde offenbar, dass es zwei Denkrichtungen im Club gab. Zwar schloss sich Preetz den Hoffnungen einer Zukunft im Europapokal an, betonte aber, dass es auch seine Aufgabe sei, mal „auf der Bremse“ zu stehen.

Dass es keine gemeinsame Erklärung mit dem Verein gegeben habe, sei „ein Indiz dafür, dass jemand eher auf sich selbst achtet und nicht auf die Gepflogenheiten, die in einem Bundesligaverein vonnöten sind“, kritisierte der Ex-Manager Heribert Bruchhagen.

Noch am Montagabend hatte Klinsmann zuerst den Fans in einem Videochat die sportliche Lage erklärt und später bei der Chefredaktionskonferenz der Deutschen Presse-Agentur eine knappe Stunde lang Fragen beantwortet. Im Restaurant „The Reed“ versprach er mindestens Platz 15, den sicheren Klassenverbleib, am Saisonende und warb für ein neues Stadion von Hertha.

Spannende Fragen

Wie Klinsmann nach seinem Rückzug nun seine Funktion als Aufpasser von Preetz & Co. im Dienste von Geldgeber Windhorst ausüben wird, bleibt ebenso spannend wie die Frage, wer sein Nachfolger wird. Zumindest in der Partie beim SC Paderborn an diesem Samstag wird voraussichtlich sein Assistent Alexander Nouri (früher VfB Oldenburg und Werder Bremen) verantwortlich sein. Niko Kovac steht nach dpa-Informationen nicht zur Verfügung.

Ende November hatte Klinsmann von Ante Covic übernommen. Wie zu seinem Amtsantritt steckt Hertha weiter im Abstiegskampf. Seine sportliche Bilanz sieht der 55-Jährige dennoch positiv. „Ich habe ein Himmelfahrtskommando übernommen und habe nur in einem Spiel schlechter abgeschnitten als gehofft“, so Klinsmann. „Dem Trainerteam ist gelungen, die Mannschaft zu stabilisieren und von der Abstiegszone wegzubringen. Ich bin sicher, die Jungs schaffen den Klassenerhalt. Und zwar souverän.“

Über die Zusammenarbeit mit Windhorst hatte Klinsmann am Montagabend noch geschwärmt. „Ich habe ihn im Oktober zehn Minuten getroffen auf dem Ku’damm in einer Bank auf dem Weg zum Tegeler Flughafen, wir kannten uns vorher nicht. Er hat mir gesagt: Ich brauche dich an meiner Seite, weil ich mich im Fußball nicht auskenne. Du sagst mir, ob ich es richtig oder falsch mache“, erzählte Klinsmann. Mit seinem Rücktritt als Trainer hat er nun Windhorst und die Hertha in die nächste Notlage gestürzt.

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