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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga

Vereinstreue: So leidet ein HSV-Fan mit seinem Club

17.03.2018

Ganderkesee Gedankenversunken stöbert Peter Kupka in seinen Aufzeichnungen. Jeden der handgeschriebenen Einträge verbindet der 52-Jährige mit einer Anekdote. Seit 1980 führt er Buch über alle besuchten Sportveranstaltungen. Die meisten lassen ein Lächeln über sein Gesicht huschen. Aber auch einige weniger erfreuliche haben sich im Gedächtnis festgesetzt.

Kupka ist Fußballfan durch und durch – und leidgeprüft. Denn sein Herzensverein, der Hamburger SV, steht einmal mehr vor dem ersten Bundesliga-Abstieg der Vereins-Historie. So prekär wie derzeit stellte sich die Situation jedoch zuvor noch nicht dar.

„Das ist schon mein elfter Abstiegskampf“, stöhnt der HSV-Fan aus Ganderkesee (Kreis Oldenburg): „Wir haben uns vier- oder fünfmal mit unverschämtem Glück gerettet, irgendwann muss das ja mal ein Ende haben. Der Kader ist nicht der schlechteste, aber diesmal fehlt uns das Glück. Die wenigen Siege, die wir hatten, waren auch verdient. Aber die schmutzigen Siege fehlen einfach. Da ist die logische Konsequenz, dass es höchstwahrscheinlich nicht reichen wird.“

Eine Mitschuld an der derzeitigen Situation sieht Kupka auch in den Drohgebärden aus der Ultra-Szene. Sie hätten „dem HSV mit dem ganzen Druck keinen Gefallen getan“. Dazu verpufften die viel zu vielen Trainerwechsel stets wirkungslos. „Seit Martin Jol hatten wir nicht einen vernünftigen Trainer.“ Das war in der Spielzeit 2008/2009.

Nicht scharf ist Kupka auf Relegationsspiele wie in den Jahren 2014 und 2015. „Ich bin gestorben. Diese Emotionen bei beiden Relegationen. Unzählige Tränen, wie man gelitten hat.“ Um die Relegation und den direkten Abstieg zu umgehen, müsse der HSV nur einen „Sechs-Siege-Plan“ umsetzen, den Kupka ausgearbeitet hat. „Wenn wir alle vier Heimspiele gewinnen und dazu in Wolfsburg und Stuttgart, dann kann es klappen“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Und sollte doch das Worst-Case-Szenario eintreten? Dann würde die zweite Liga auch attraktive Paarungen bereithalten: „Gegner wie der MSV Duisburg, Union Berlin, Eintracht Braunschweig und natürlich St. Pauli sind doch bedeutend reizvoller als Leipzig oder Hoffenheim.“

Kupka, Gründungsmitglied des HSV Supporters Club, ist einer von drei Vorsitzenden des Fanclubs „Mitten im Feindesland“ (250 Mitglieder). Der Name entstand in Anlehnung an die räumliche Nähe zu Werder Bremen. „Es gibt unwahrscheinlich viele HSVer hier in der Region. Aber man fühlt sich irgendwie doch wie das kleine gallische Dorf bei Asterix“, sagt Kupka über die Rivalität. Gemeinsam mit den Oldenburger „Lappanrauten“ werden regelmäßig Fahrten zu Heimspielen nach Hamburg unternommen.

Ins „Feindesland“ jedoch geht er nicht immer. Zum Nordderby im Weserstadion war er nicht. Schon vor dem Duell des HSV in Bremen Mitte Februar hatte Kupka im Gespräch mit der NWZ vermutet, dass es mit dem Klassenerhalt des HSV nichts werden würde. Die Situation hat sich seitdem noch verschlechtert.

Doch zu den Heimspielen fährt der Fan-Club, auch zum Abschlussspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Dabei wurde für die letzten beiden Heimspiele die Preisklasse auf Top-Kategorie hochgesetzt. „Das ist eine Unverschämtheit“, schimpft Kupka: „Die treuen Fans, die seit Wochen nur schlechten Fußball zu sehen bekommen, werden noch mal richtig abgekocht. In so einer Situation müsste man normal jeden per Handschlag begrüßen, der ins Stadion geht – da fehlt jede Sensibilität der Führungsriege.“

Von 1986 bis 2015 hat Kupka kein Heimspiel des HSV verpasst, Pokal- und Freundschaftsspiele inbegriffen. Dafür mussten oftmals andere Termine – egal ob Geburtstage oder Hochzeiten – hinten anstehen. „Wenn ich mein Leben zurückdrehen könnte, würde ich bestimmt einiges anders machen“, sagt Kupka, und schiebt sofort mit einem Lachen hinterher: „HSVer wäre ich aber trotzdem geworden.“ Einmal Fan, immer Fan.

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