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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga

Dortmund stürmt auch Schalkes Revier

10.12.2018

Gelsenkirchen Als Derbyheld Jadon Sancho aus dem Mannschaftsbus stieg, schossen Raketen in den Himmel. Mit einem beeindruckenden Feuerwerk bereiteten rund 750 Fans dem Siegtorschützen und seinen Mitspielern nach der Rückkehr aus Gelsenkirchen einen rauschenden Empfang.

Doch nach einer höchst emotionalen Woche war die Freude des englischen Jungstars von Borussia Dortmund nicht ungetrübt. „Das Tor ist für meine verstorbene Großmutter“, sagte der 18-Jährige nach dem 2:1 (1:0)-Erfolg im 175. Ruhrpottklassiker beim Erzrivalen Schalke 04.

Sancho war wegen des Todesfalls nach London geflogen und erst am Tag vor dem Derby zurückgekehrt. „Er wollte unbedingt spielen“, berichtete Trainer Lucien Favre. Sportdirektor Michael Zorc zog „den Hut vor einer Ausnahmeleistung“. Nach seinem bemerkenswerten Auftritt streifte sich das Supertalent das gelbe Siegershirt über und stürzte sich in die wilde Kabinenparty.

Mit seinem fünften Saisontreffer (74. Minute) bescherte der Jung-Nationalspieler dem BVB den ersten Sieg auf Schalke seit fünf Jahren und blickte danach gen Himmel. Durch den Erfolg kann der enteilte Bundesliga-Spitzenreiter die Herbstmeisterschaft bereits am Samstag gegen Werder Bremen klarmachen. „Dieser Sieg gibt uns eine Menge Selbstvertrauen und Kraft für die nächsten Spiele“, sagte Kapitän Marco Reus und gab die Richtung bis Weihnachten vor: „Wir wollen ungeschlagen bleiben.“

Auf Schalke gelang dies trotz kurzer Probleme am Ende souverän. Aus der Kabine dröhnte danach Rockmusik, Reus und Co. tanzten in ihren Shirts mit dem Aufdruck: „Die Nummer eins im Pott sind wir.“ Und das eindeutig.

22 Punkte beträgt der Vorsprung auf den kriselnden Vizemeister, der mit 14 Zählern aus 14 Spielen im unteren Tabellendrittel feststeckt. Während der Ex-Bremer Thomas Delaney mit seinem Führungstreffer (7.) schon zum 16. BVB-Torschützen in dieser Saison avancierte und damit einen Ligarekord zu diesem Zeitpunkt aufstellte, trifft Schalke nur vom Elfmeterpunkt.

„Es fehlt die Durchschlagskraft“, klagte Trainer Domenico Tedesco: „Wenn du in den letzten drei Spielen nur durch Elfmeter triffst, dann wird es schwierig.“ Der zwischenzeitliche Ausgleich durch Daniel Caligiuri (61.) nach Videobeweis war gegen einen nicht restlos überzeugenden Tabellenführer zu wenig.

Schon vor der Pause hatte Tedesco Guido Burgstaller und damit seinen „letzten nominellen Stürmer“ verletzt auswechseln müssen. Drei weitere Angreifer fehlten ohnehin schon. Mit dem defensiven Mittelfeldspieler Weston McKennie und Linksverteidiger Hamza Mendyl im Angriff spielten die Gastgeber „einen komischen Fußball“, wunderte sich Reus. Davon ließ sich der BVB nach dominanter Anfangsphase „ein wenig einschläfern“.

Es zählt aber zu den Qualitäten der Schwarz-Gelben in dieser Saison, dass sie auch in schwierigen Phasen die Ruhe bewahren und Lösungen finden. „Die Mentalität stimmt. Spiele, die wir im letzten Jahr verloren hätten, gewinnen wir“, sagte Torhüter Roman Bürki. Daran hat auch die Defensive einen großen Anteil. Mit 14 Gegentreffern verfügt das Favre-Team über die zweitbeste Abwehr der Liga. Der Lohn: Mit 36 Punkten nach 14 Spielen stehen die Dortmunder so gut da wie seit dem Meisterjahr 2010/11 (37) nicht mehr.

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