Dortmund - Die Behörden ermitteln auf Hochtouren, Experten prüfen ein neues Bekennerschreiben, und die Debatte über eine Anpassung der Sicherheitsmaßnahmen in der Fußball-Bundesliga nimmt immer breiteren Raum ein: Der Bombenanschlag auf den Bus von Vizemeister Borussia Dortmund hat Ermittler und Öffentlichkeit auch über Ostern in Atem gehalten.

Trotz inzwischen 100 Fahndern fehlt gut eine Woche nach dem Anschlag offenbar immer noch eine ganz heiße Spur zu den Tätern. Die im Jargon des Bundeskriminalamtes (BKA) „Besondere Aufbauorganisation“ (BAO) bezeichnete Sonderkommission „Pott“ ging an den Feiertagen Medien-Berichten zufolge Hinweisen nach, die eine Herkunft des benutzten Sprengstoffes aus Bundeswehrbeständen möglich erscheinen lassen. Die Bundesanwaltschaft prüfte derweil ein neues, insgesamt drittes Bekennerschreiben mit rechtsextremistischen Inhalten.

Für Erschütterung auch noch fünf Tage nach der Attacke auf den BVB-Bus sorgte die Einschätzung des Gefahrenpotenzials der Sprengkörper durch ein „Pott“-Mitglied: „Wären die Splitterbomben nur eine knappe Sekunde früher gezündet worden, hätte der Bus eine regelrechte Breitseite bekommen. Es hätte dann bestimmt viele Schwerverletzte und möglicherweise auch Tote gegeben“, betonte der Fahnder.

Die Stadion-Betreiber haben sich derweil offenbar in diesem Zusammenhang bereits mit verschärften Kontrollen wie sonst nur an Flughäfen befasst. „Ich glaube, dass wir in Zukunft an den Eingängen deutscher Stadien Ganzkörperscanner haben werden“, sagte Vorstandschef Joachim E. Thomas von der Vereinigung deutscher Stadionbetreiber. Am ersten Spieltag nach dem Anschlag war die Polizei zu Ostern Beobachtungen zufolge deutlich präsenter in den Stadien als zuletzt. Angesichts des mutmaßlich professionellen Hintergrundes der Täter erscheinen die verschärften Sicherheitsmaßnahmen nicht überzogen. Die „Pott“-Fahnder jedenfalls gehen offenbar einem Ansatz nach, dass ein militärischer Zünder verwendet wurde, der nur entsprechend schwer zu beschaffen gewesen sein dürfte.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke räumte am Rande des mit 3:1 gewonnenen Bundesligaspiels gegen Eintracht Frankfurt Gedanken an einen Rückzug aus der Champions League unmittelbar nach dem schrecklichen Ereignis ein: „Ich habe kurz überlegt, ob wir uns nicht ganz aus dem Wettbewerb verabschieden sollen. Aber dann wäre es für die Täter ein Sieg gewesen.“