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NWZonline.de Sport Fußball

1500 Kilometer in 25 Stunden für den Stern des Südens

17.02.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-02-17T20:20:19Z 280 158

Auf Fanfahrt Nach München:
1500 Kilometer in 25 Stunden für den Stern des Südens

München/Bakum Um 18.45 Uhr ist die Stimmung bei den „Bakumer Germanen“ auf dem Höhepunkt. Aus den Lautsprechern ihres Reisebusses donnert der „Stern des Südens“, das bekannteste Lied des FC Bayern. Über den Polstern der Sitzreihen ist nur noch ein Meer aus rot-weißen Schals zu erkennen. Die Fußballfans – ob aus Wilhelmshaven, Vechta, Oldenburg oder Bakum – schmettern ihren Song, singen von dem Stern, „der niemals untergeht“, und dass sie „in guten wie in schlechten Zeiten zueinander stehen“. Als auf der rechten Seite das knallrote, 75 000 Zuschauer fassende Schlauchboot namens Allianz Arena den Nachthimmel hell erleuchtet, schießt die Lautstärke noch mal nach oben.

Treffen morgens um 7 Uhr

Die BEste Fahrt

Torsten Goy, Fanclub-Präsident „Ganz eindeutig die Tour zum Champions-League-Finale 2013 in London gegen Borussia Dortmund. Wir waren mit 40 Leuten insgesamt drei Tage unterwegs. Wie der Ball von Arjen Robben in der 89. Minute über die Linie zum 2:1 kullert, werde ich nicht vergessen – wir standen genau hinter dem Tor. Ich träume heute noch manchmal von der Szene und habe immer noch Gänsehaut, wenn ich dran denke.“

Etwa zwölf Stunden zuvor und rund 740 Kilometer weiter nördlich ist die Atmosphäre gedämpfter. Mittwoch, kurz vor 7 Uhr, beim Sportcafé Beckmann in Bakum (Landkreis Vechta), trotten die Ersten mit müden Blicken und langsamen Schritten zum Bus. Ein kurzes „Moin“, ein Kopfnicken – in der Früh versteht man sich ohne viele Worte.

Beste Laune bringt Torsten Goy mit. Der 47-Jährige ist der Präsident der „Bakumer Germanen“, dem größten Bayern-Fanclub in ganz Norddeutschland. Martin Schuling, ein Arbeitskollege aus der Justizvollzugsanstalt für Frauen in Vechta, und ihm kam 2009 die Idee, einen Fanclub zu gründen. „Wir wussten, dass das Potenzial im Raum Vechta groß ist“, so Schuling.

Mit 33 Mitgliedern starteten sie am 26. April 2009. Was sich daraus entwickelt hat, übertrifft alle Erwartungen. Etwa 620 Mitglieder haben die „Germanen“ heute – Tendenz steigend. Als Stammfahrer erhalten sie garantiert Tickets für fünf Heimspiele pro Bundesliga-Saison, hinzu kommt ein Vorkaufsrecht auf Karten für die Champions League und den DFB-Pokal. „Bei zwölf bis 15 Spielen pro Saison sind wir mindestens immer dabei“, sagt Goy.

Er ist eines der Gesichter, die den Fanclub auszeichnen. Goy bezeichnet sich selbst als „Mädchen für alles“, hält den Kontakt zum FC Bayern, organisiert Fahrten, betreibt Öffentlichkeitsarbeit. „Vom Zeitaufwand ist das enorm“, sagt der gelernte Koch. Frau Tanja unterstützt die Leidenschaft ihres Mannes, fungiert sogar als Schriftführerin und ist laut Torsten „die heimliche Chefin“ des Fanclubs. „Wir sind ein Familienverein, veranstalten jährlich eine Kids-Tour. Es geht um die Freundschaften, die man hier sammelt“, sagt Goy, der Uli Hoeneß der „Germanen“, ganz so, als habe er die Rhetorik vom Bayern-Präsidenten gelernt.

Die bitterste Fahrt

Martin Schuling, Mitbegründer des Fanclubs „Das ,Finale dahoam’ 2012. In unserer Arena, gegen den FC Chelsea – wir sind alle davon ausgegangen, dass wir gewinnen. Dann lief alles verkehrt, was verkehrt laufen kann. Bayern war klar besser, führt, und Chelsea trifft mit der einzigen Chance zum 1:1. In der Verlängerung verschießt Robben einen Strafstoß, das Elfmeterschießen geht verloren. Die Fahrt war gelaufen, es herrschte Schockstarre. Ich habe viele erwachsene Menschen weinen gesehen. Auf der Rückfahrt war Totenstille im Bus.“

An diesem Mittwoch besteigen 25 Hartgesottene den Bus Richtung München. Vom Rentner bis zum Studenten, vom Logistiker bis zum Unternehmer. Die einen kommen in markanten Bayern-Kutten, den anderen reicht ein Trikot aus. Für das Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Arsenal London nehmen sie etwa 1500 Kilometer auf sich, 25 Stunden sind für den Trip eingeplant. Das alles für 90 Minuten FC Bayern. „Fußball ist nicht einfach nur Fußball – da steckt viel mehr dahinter“, phrasiert Martin Schuling.

Mit 17 in Rotterdam

Leidenschaft, Herzblut und die Bereitschaft, für den Verein zu leiden. Schuling ist auch einer dieser Typen. Mit 14, erzählt der 51-Jährige, hat er begonnen, zu Fußballspielen zu gehen. Mit 17 Jahren, 1982, reiste er nach Rotterdam. Finale im Europapokal der Landesmeister, Bayern München gegen Aston Villa. „Damals konnte man noch ein paar Tage vorher nach Tickets anfragen“, erinnert er sich. Das Spiel ging 0:1 verloren. „Das war bitter, wir waren klar besser, ähnlich wie beim Finale dahoam“, sagt er. Die Niederlage gegen Chelsea im Endspiel 2012 war für ihn das schlimmste Erlebnis als Fan.

Das morgendliche Schweigen weicht schnell aus dem Bakumer Bus. Die ersten Experten finden sich schnell zusammen, diskutieren über ihren FCB, der in der Liga zuletzt mäßig spielte. „Heute zeigen wir unser wahres Gesicht“, sagt einer der Fans – und ahnt noch nicht, wie richtig er damit liegen sollte.

Die Fünf besten Sprüche

1. „Barcelona hat 0:4 verloren? Cool, wer soll uns jetzt noch aufhalten?“

2. „Fußball ist nicht einfach nur Fußball – da steckt viel mehr dahinter!“

3. Nach fünf Minuten Spielzeit: „Arsenal ist ja sooo schlecht, die musst du deutlich schlagen“

4. „Mit dem fünften Treffer haben wir ihnen den Zahn gezogen“

5. „Irgendwie ist das ja bekloppt. 25 Stunden Fahrt und kein Schlaf für 90 Minuten Fußball“

Schon in Bramsche rückt aber wieder der Mensch in den Vordergrund. Thomas, seit Ende 2016 Mitglied des Fanclubs, steigt mit Freundin Kathrin hinzu. Der 51-Jährige ist auf den ersten Blick das, was man wohl ein echtes Unikat nennt. Kutte, Hose, Schuhe, Mütze, Sonnenbrille – es gibt nichts an diesem Mann, was nicht rot und weiß ist. Dazu trägt er ein imposantes Bayern-Tattoo auf dem rechten Unterarm.

Dann sagt er einen Satz, der alle Mitstreiter fassungslos staunen lässt: „Ich war noch nie in der Arena.“ Skeptisches Schweigen, verwirrte Blicke, zögerliche Nachfrage. „Das letzte Mal war ich 1988 bei der Heim-EM im Olympiastadion“, fügt Thomas hinzu. Freundin Kathrin zeigt währenddessen Bilder auf ihrem Smartphone von Thomas Bayern-Zimmer. Kinosessel mit Vereinswappen, Kunstrasen an der Wand, eine Zimmertür, die in 17 Stunden von einem befreundeten Künstler zu einer Münchner Wand umgestaltet wurde. Bei Thomas gibt es nichts, was es nicht gibt. So einer noch nicht im Stadion? „Das ändern wir ab jetzt!“

Die Hinfahrt vergeht wie im Flug. Es wird diskutiert, Karten gespielt und die ein oder andere „Kaltsaftschorle“ getrunken. Ein Vereinslied nach dem anderen schallt durch die Boxern – wiederholt die „Super Bayern“, wie die Fans sich und ihren Club so gern besingen. Und die „Super Bayern“ halten das, was sie versprechen, gewinnen mit 5:1. Arjen Robben (Schuling: „Unser Fußballgott“), Robert Lewandowski, Thomas Müller und zweimal Thiago lassen die Fans schwärmen. „Was für ein geiles Spiel“ und „Jetzt fahren wir zum Endspiel nach Cardiff“.

Die Rückfahrt verläuft ruhig. Die Strapazen des Tages müssen rausgeschlafen werden. Um 7.40 Uhr kommt die Gruppe am Donnerstag in Bakum an. Einige gehen am gleichen Tag noch zur Arbeit. Andere schonen sich für Freitag. Denn dann geht es wieder los: 15 Uhr, Abfahrt Sportcafé Beckmann. Auswärtsspiel der Bayern am Samstag in Berlin. „Diesmal machen wir eine Dreitagestour draus“, sagt Goy – die „Bakumer Germanen“ folgen ihrem Stern des Südens wann immer es geht.

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