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NWZonline.de Sport Fußball

50 Jahre „Wunder von Glasgow“

06.05.2016

Dortmund /Glasgow Manchmal fällt einem Menschen auch an einem rabenschwarzen Tag noch das Glück vor die Füße. Der 5. Mai 1966 war so ein Tag für Reinhard Stan Libuda. Damals, als Fans noch Schlachtenbummler hießen, ein harter Schuss eine „Bombe“ war – und Borussia Dortmund sensationell als erste deutsche Fußball-Mannschaft einen Europapokal gewann. Am Donnerstag jährt sich das „Wunder von Glasgow“, wie es bis heute Legende ist, zum 50. Mal.

106 Minuten gelingt Stan Libuda, einem Mann, der die Knie seines Gegenspielers in Gummi verhexen konnte, gegen den FC Liverpool im maximal halb vollen Hampden Park nichts. Er verhakelt sich, hadert, Verteidiger Ron Yeats köpft jede seiner Flanken stur aus dem Strafraum, so oft Libuda, der erst 1965 vom Erzrivalen Schalke 04 zum BVB gewechselt war, den Ball auch von rechts hereinschlägt.

Dann aber bricht Sigi Held in der Verlängerung beim Stande von 1:1 irgendwie durch die Abwehr, er quält sich beinahe hindurch, und er kracht mit Torhüter Tommy Lawrence zusammen, dem der Ball von der Brust prallt – weit, weit, 30 Meter ins Feld hinein. Vor die Füße von: Stan Libuda.

„Wahrscheinlich wäre dat Dingen dann gar nicht reingegangen, wäre der Ball vom Pfosten nicht an den Oberschenkel von Yeats gehoppelt“, sagte der damalige BVB-Torhüter Hans Tilkowski (80) am Mittwoch. Es war ein Heber ins Geschichtsbuch. Wenig später die Erlösung, die Szene, an die sich Tilkowski am besten erinnert: „Der Schlusspfiff. Ein ganz großer Moment. Für Dortmund. Für Deutschland.“

Wer glaubt, die tapferen Außenseiter hätten mit ihrem Pokalsieger-Cup im Arm anschließend die schottischen Bars und Pubs zerlegt, irrt. „Es gab „ne Flasche Bier im Hotel, vielleicht zwei. Mehr war nicht, denn nicht mal unser Vorstand hatte uns diesen Sieg zugetraut“, berichtet Tilkowski, „so war dat eben.“ Die Möglichkeit einer Siegesfeier gegen die „Unbezwingbaren“ (Liverpool-Trainer Bill Shankly vor dem Spiel) – sie war schlicht nicht vorgesehen.

Aus der Überheblichkeit des Gegners und den vorherigen Erfolgen über Atlético Madrid, West Ham United, ZSKA Sofia zogen die Borussen ihre Kraft. Ein heroischer Kampf, so wird es von Großvätern den Enkeln erzählt, und für Hans Tilkowski war es das auch. „Aber schon vorher: Wir haben bei Atlético 1:1 gespielt und sie dann im Rückspiel 1:0 geschlagen. Darüber hätten sich die Bayern am Dienstag gefreut...“

Trainer Willi Multhaup, „Fischken“ genannt, erinnert sich der Torhüter, hielt vor dem Spiel seine legendäre Rede. „Zehnmal spielen wir gegen Liverpool, neunmal verlieren wir. Aber heute ist der Tag unseres Sieges! Daran haben wir geglaubt.“

Und so kommt es. Auch, weil Stan Libuda das Glück vor die Füße fällt. Er und all die anderen, Aki Schmidt, Hoppy Kurrat, Lothar Emmerich, Torschützenkönig mit 14 Treffern, sie werden in Dortmund von Hunderttausenden gefeiert: „Schon auffer B1 hat man die Fahnen gesehen!“ Die Stadt lädt zum Spargelessen ein.

Bei der WM im folgenden Sommer ist Stan Libuda trotz seiner Heldentat nicht dabei. Und Hans Tilkowski? Schon. Er kassiert im hinreißenden Finale gegen England das Wembley-Tor. „Aber das“, sagt er, „ist eine ganz andere Geschichte.“

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