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NWZonline.de Sport Fußball

Was macht eigentlich der Oldenburger Fußballer „Kalki“?

01.07.2016

Oldenburg Wenn die Erinnerung wie ein schlecht erzogener Hund sein soll, der sich einfach hinlegt, wo er will, dann ist er bei Michael Kalkbrenner ein wohl erzogener. „Kalki” ist einer der bekanntesten Oldenburger Fußballer. Und er ordnet im Rückblick in seiner Karriere die wichtigen Begebenheiten und Abläufe als Spieler und Funktionär am richtigen Platz ein.

Das sind die Eckdaten: Kalkbrenner, geboren am 1. Juli 1956 in Oldenburg, spielte als Amateur und Profi in 27 Jahren in sechs Vereinen: TuS Ofen (1961 - 1971), VfL Oldenburg (1971 - 1974), VfB Oldenburg (1974 - 1976 und 1978 - 1982), TSR Wilhelmshaven (1976 - 1978), 1. FC Saarbrücken (1982 - 1984) und VfL Osnabrück (1984 bis zum verletzungsbedingten Ende 1988). Von 2001 bis 2006 sichtete der B-Lizenzinhaber als DFB-Stützpunkttrainer Talente in der Region Oldenburg.

Der technisch beschlagene und taktisch intelligente Mittelfeldspieler zählte sicherlich zu den zuverlässigsten und beständigsten Fußballern im Nordwesten. 117 Spiele in der 2. Bundesliga stehen für ihn zu Buche, weit mehr als 200 in der damals weitgehend drittklassigen Oberliga oder Regionalliga. Fünfmal war er an Zweitliga-Aufstiegen beteiligt, als Spieler 1980 (VfB), 1983 (Saarbrücken), 1984 (Osnabrück), als Manager 1990 und 1996 (beide Male VfB).

„Nie war ich ein großer Torschütze“, sagt er heute, „aber im Mittelfeld war ich überall präsent. Bevor die Raumdeckung kam, wurde noch viel Mann gegen Mann gespielt.“ Über Kalkbrenners Radius staunten schon damals seine Trainer Helmut Mrosla, Uwe Klimaschewski oder Rolf Grünther. „Da bin ich im Spiel mehr als zehn Kilometer gelaufen“, erinnert er sich an frühe Messungen. „Das ist heute durchschnittlich, aber das war zu dieser Zeit ein absoluter Spitzenwert.“

Von zwei Spielen in Donnerschwee dürfte er Sohn und Tochter mit der größten Begeisterung erzählt haben. Das erste erlebte er als Jugendlicher, 1968 das Pokalspiel im rappelvollen Stadion gegen Borussia Dortmund (2:3). Da war klar: „Da wollte ich auch mal spielen!“ Das zweite datiert auf den 6. August 1980. An diesem Mittwoch empfing Zweitliga-Aufsteiger VfB eben in dieser „Hölle des Nordens“ Bundesliga-Absteiger Hertha BSC Berlin. In der 83. Minute erzielte „Kalki“ das 2:0. „Ein Schuss fast von der Torauslinie“, freut er sich heute noch, „genau zwischen Pfosten und Torwart durch – eigentlich unmöglich. Nie hat mir ein Spiel solche Gänsehaut gemacht.“

Seine Erfahrung als Spieler und sein Wirtschaftswissen als Diplomkaufmann hat er später in den VfB als Manager und Sportleiter eingebracht. Der Blick hinter die Kulissen, die wirtschaftlichen Zwänge, der ständige Spagat zwischen Geldmangel und Optimismus nach Außen, die mangelnde Entschlossenheit mancher Vorsitzender, die fahrlässig verpasste Gelegenheit zu einem Schulterschluss mit der heimischen Wirtschaft, die belastende Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit: „Da habe ich viel gelernt über Machbares und Nichtmachbares, Menschen und die Eigendarstellung eines großen Vereins in der Region“, sagt Kalkbrenner. 2010 entschied er sich zum letzten Mal gegen den Stress und für Familie und Beruf.

Als Geschäftsführer im etablierten Inkasso-Unternehmen seines Bruders könnte er sich zurücklehnen. Doch der VfB treibt ihn immer noch um. „Man muss realitätsnah sein“, meint er mit dem Blick des Kaufmanns. „Wenn mein Produkt nicht mehr so gefragt ist wie früher, muss ich das Produkt verbessern.“ Für den VfB heißt das: „Er ist nur in der 3. Liga für die Menge der Fußballfans attraktiv.“ Dreimal hat der VfB zuletzt wichtige Aufstiege verpasst, unter Joe Zinnbauer, unter Alexander Nouri, jetzt unter Dietmar Hirsch, immer trotz bester sportlicher Arbeit.

Nach Kalkbrenners Einschätzung verschenkt der Verein zu viel von seinen Erfahrungen. „In der Führung gibt es zu oft Wechsel, mit denen das erworbene Wissen verfällt“, meint er. Der Position des Managers oder Sportleiters misst er herausragende Bedeutung bei: „Der muss mittel- bis langfristig planen und arbeiten. Das ist für die Strukturen und die Beständigkeit bedeutsam.“ Damit übertrifft er auch den Trainer: „Der ist auf kurzfristigen Erfolg angewiesen. Bei den Transfers, der Wirtschaftspolitik und allem anderen muss der Manager im Ernstfall die Nase vorn haben.“

Da lässt sich Kalkbrenner auch von der Erinnerung an große Zeiten nicht in die falsche Ecke locken.

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