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NWZonline.de Sport Fußball

Alte Stars sollen neuen Glanz bringen

10.07.2015

Oldenburg Der brasilianische Ex-Weltfußballer Ronaldinho, der kamerunische Torjäger Samuel Eto’o, der portugiesische Edeltechniker Nani, der niederländische Angreifer Robin van Persie und der deutsche Weltmeister Lukas Podolski – wer als Fan diese Namen liest, hat im ersten Moment wohl eine Weltauswahl vor Augen. Diese Profis haben künftig eines gemein: Sie spielen alle in der türkischen ersten Liga. Und sie haben noch etwas gemein: Sie alle haben ihre sportlich besten Jahre längst hinter sich.

Antalyaspor rüstet auf

Die Transferoffensive der türkischen Clubs macht dennoch dieser Tage in Europa die Runde. Eto’o (34) wechselt zu Antalyaspor, Kumpel Ronaldinho (35) verkündete per Videobotschaft, dass er folgen will. Podolski (30) zieht es von Arsenal London zu Galatasaray Istanbul, Nani (28) zu Stadtrivale Fenerbahce und der Transfer van Persies (31) von Manchester United zu Fenerbahce soll (wenn auch wie bei Ronaldinho noch nicht offiziell) bereits perfekt sein. Der Hoffenheimer Andreas Beck (28) spielt künftig für Besiktas Istanbul, auch Schalkes Klaas-Jan Huntelaar (31) wird von Besiktas umworben.

Verwundern tut dieser Angriff auf dem Transfermarkt die Experten höchstens in dem großen Ausmaß. „In der Türkei ist es schon lange so, dass die Präsidenten der Vereine als Entscheider das sagen haben. Sie wollen sich mit großen Namen schmücken“, sagt Dieter Burdenski. Der Ex-Torwart von Werder Bremen vermittelt mit seiner Firma „Burdenski Events“ regelmäßig Testspiele und Trainingslager für deutsche Teams in der Türkei. Sportlich, so Burdenski, würden die Zugänge wenig Sinn ergeben. „Das ist eher eine Art Werbe-Aktion. Dass Vereine durch diese Altstars einen Aufschwung erleben, habe ich so noch nicht erlebt“, sagt der 64-Jährige.

Fans wollen Stars sehen

Cumhur Demir, langjähriger Trainer des Weser-Ems-Landesligisten Türkischer SV Oldenburg und inzwischen Talentscout in der Agentur des Ex-Bundesliga-Torhüters Stefan Brasas (u.a. Werder Bremen und SV Meppen), kann die Einkaufspolitik nur in einem Punkt nachvollziehen. „Die Fans wollen einfach die Stars in unserem fußballverrückten Land sehen“, sagt der 41-jährige gebürtige Türke. Letztlich gehe es bei diesen Transfers aber vor allem um eines: „Der größte Faktor für Spieler, Berater und Vereinsmanager ist natürlich das Geld. Die Spieler gehen meist nach ein oder zwei Jahren wieder, ohne dass ein sportlicher Fortschritt festzustellen war.“ Als Folge dieser Einkaufspolitik würden viele Stadien in der Türkei leer bleiben, „weil die Fans merken, dass es den Stars nur ums Abkassieren geht“.

Ein spezieller Fall ist der Aufsteiger aus Antalya, der in der Türkei keine Fußballtradition besitzt. Weil Gültekin Gencer, ein Unternehmer aus dem Lebensmittelhandel, aber für neuen Glanz sorgen will, nahm er Kontakt zu Ronaldinho und Eto’o auf. „Wir werden noch einen weiteren großen Namen holen, und wenn es unter Dach und Fach ist, werden wir die Welt in Flammen setzen“, kündigte der Clubboss großspurig an. „Der Verein gerät wahrscheinlich kurz ins Rampenlicht und verschwindet nach zwei, drei Jahren wieder von der Bildfläche“, glaubt indes Demir.

Generell hat der türkische Vereinsfußball seit vielen Jahren die erfolgreichste Zeit hinter sich. Seit Galatasaray 2000 den Uefa-Pokal gewann, kam nur fünfmal ein Verein aus der Türkei unter die besten Acht in einem europäischen Wettbewerb. In Europas Fünfjahreswertung belegt die „Süper Lig“ aktuell nur Platz elf. „Die Liga hat grundsätzlich schon Qualität, die beste Phase ist aber vorbei. Scheinbar versuchen die Vereine mit den Altstars den Anschluss wieder herzustellen“, sagt Burdenski, der den Erfolg der Transferoffensive jedoch bezweifelt. Sobald ein Ronaldinho oder Eto’o die Leistung nicht bringen würde, werde es wahrscheinlich schnell zur Trennung kommen, so Burdenski.

Niveau stagniert

„Der türkische Fußball ist gerade durch diese Altstars in den letzten Jahren sehr eingeschränkt gewesen. Das sieht man an der Nationalmannschaft, die spielt keine Rolle mehr“, geht Demir einen Schritt weiter. Letztmals stand diese 2008 im Halbfinale einer EM (2:3 gegen Deutschland), in der Weltrangliste ist sie gar auf Platz 48 abgerutscht. Demir würde sich ein Umdenken wünschen: „Die Liga braucht junge, ehrgeizige Spieler, die sich für Europa beweisen und die Türkei als Sprungbrett nutzen wollen.“ Von dieser Strategie sind die Verantwortlichen jedoch weit entfernt.

Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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