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NWZonline.de Sport Fußball

Fußball: Kapitän verlässt gesunkenes Schiff

12.10.2017

Amsterdam Sichtlich bewegt drehte Arjen Robben unter dem Jubel der Fans mit seinen Kindern eine Ehrenrunde, schon vor dem Spiel hatte der 33-Jährige bei der Nationalhymne ein paar Tränen verdrückt: Der Superstar von Bayern München hat sich nach 14 Jahren, 96 Länderspielen und 37 Toren in der Amsterdam Arena emotional von Oranje verabschiedet.

„Einmal mehr war Robben eine Rose in der Wüste, einer der besten Fußballer, die es jemals in den Niederlanden gab“, schrieb „De Volkskrant“ nach Robbens Abschieds-Gala. Auch von den Kollegen und von Bondscoach Dick Advocaat gab es nach dem bedeutungslosen 2:0 gegen Schweden stehende Ovationen. Das klägliche Scheitern der Niederlande in der WM-Qualifikation rückte für einen Augenblick in den Hintergrund.

„Ich habe sehr lange über meinen Rücktritt nachgedacht. Ich bin jetzt 33, bei der Europameisterschaft wäre ich 36. Ich spiele bei einem europäischen Spitzenclub. Darauf will ich mich nun vollständig konzentrieren“, sagte Robben, der bei seinem letzten Oranje-Auftritt ein Wechselbad der Gefühle erlebte.

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Da waren auf der einen Seite seine starke Leistung mit zwei Treffern und sein bewegender Abschied, den er „sehr genossen“ habe. Zum anderen setzte Robben das verpasste Fußball-Wunder und das Aus für die WM 2018 in Russland zu. Für den Kapitän, der Advocaat schon vor der Partie von seinem Entschluss unterrichtet hatte, und die Elftal war es nach der verpassten EM 2016 bereits der zweite Rückschlag in Folge.

„Die Realität ist sehr hart. Wir verpassen wieder ein großes Turnier. Das ist bitter“, sagte ein trauriger Robben, der aber gleich auch den Blick nach vorne richtete: „Ich fühle mich noch richtig fit. Solange es geht, will ich an der Spitze mithalten.“

Für den ganz großen Wurf im Nationalteam hatte es für den Flügelstürmer, dessen Vertrag in München 2018 ausläuft, bei sechs Endrunden-Teilnahmen nicht gereicht. 2010 war er in Südafrika Vizeweltmeister (0:1 n.V. im Finale gegen Spanien) geworden, 2014 in Brasilien WM-Dritter.

Er sei dennoch auf seine Nationalelf-Karriere „sehr stolz“. Trotz seiner vielen Verletzungen habe „der Glasmann am längsten durchgehalten“, ergänzte er süffisant. Die schönsten Momente seien die Weltmeisterschaften 2010 und 2014 gewesen: „Da waren wir ein echtes Team.“

Für die Gegenwart trifft dies längst nicht mehr zu. Auch unter Advocaat, dem dritten Bondscoach seit zwei Jahren nach Danny Blind und Interimslösung Fred Grim, gelang die erhoffte Wende zum Guten nicht. „In den Niederlanden muss jetzt viel passieren, viele Dinge müssen sich ändern“, forderte Robben.

In der Qualifikations-Gruppe A hatte es für die Elftal hinter Frankreich und Schweden nur zum enttäuschenden dritten Platz gereicht. Letztendlich hatte die um acht Treffer schlechtere Tordifferenz gegenüber Schweden den Ausschlag gegeben. Doch die Probleme im holländischen Fußball sind grundsätzlicher. Stars wie Robben, den Advocaat als einen der „besten Spieler der Welt“ adelte, gibt es kaum noch. Der Vereinsfußball befindet sich in der Krise. „Das tut weh, aber wir sind im Moment einfach nicht gut genug. Neben Robben gibt es nur noch ein, zwei Spieler, der Rest hat nicht die Qualität“, räumte Sky-Experte Erik Meijer ein. Oranje müsse jetzt „ganz kleine Brötchen backen. Wir brauchen wieder ein Fundament.“

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