Bremen/Oldenburg - Viktor Skripnik hatte genügend Zeit, um sich die richtigen Worte zurechtzulegen. Seit vergangenen Sonnabend, als Werder Bremen durch das 1:2 gegen den FC Augsburg mehr denn je in den Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga rutschte, durfte der Trainer aufgrund der Mediensperre des Clubs in der Öffentlichkeit schweigen.

Am Donnerstag war nun die Pressekonferenz vor dem Heimspiel an diesem Sonnabend (15.30 Uhr) gegen den VfL Wolfsburg – und Skripnik überraschte erneut mit einigen Aussagen. „Wir können mit unserem Fußball zufrieden sein. Uns fehlen nur die Resultate“, sagte der Ukrainer. Eine These, die nach dem spielerisch enttäuschenden Auftritt gegen ersatzgeschwächte Augsburger, dem aktuellen Platz 16 und 59 Gegentoren in 29 Partien (schlechteste Defensive der Liga) mindestens als gewagt zu bezeichnen ist.

Deutlich wurde, dass Skripnik nach den turbulenten Tagen an der Weser keine Schwächen zeigen wollte. Der Trainer präsentierte sich erneut eher kurz angebunden und abweisend („Über meine Person möchte ich nicht reden“), trat aber auch kämpferisch auf. „Egal wie viele Tore wir kassieren, Hauptsache wir bleiben in der Bundesliga“, sagte er, und betonte, dass er im Training unter der Woche nichts Grundsätzliches verändert habe: „Da sehe ich keinen Sinn drin.“ Die Situation sei kritisch, jeder wisse das, aber er werde deswegen nicht „plötzlich wie ein Clown vor der Mannschaft herumspringen. Dann bin ich nicht mehr Viktor Skripnik, und das möchte ich bleiben.“

Gute Nachrichten gab es von Claudio Pizarro. Der 37-jährige Peruaner stieg am Donnerstag in das Teamtraining ein und könnte eine Option für Wolfsburg sein. „Darüber freuen wir uns. Er hat gezeigt, wie wichtig er ist“, sagte Skripnik. Ohne ihren besten Torjäger – Pizarro steht bei zwölf Saisontoren – ging bei den Bremern vor allem in der Rückrunde fast nichts zusammen. Ersatzmann Anthony Ujah spielt seit Wochen außer Form.

Hoffnung macht Werder, dass die Wolfsburger nach dem kräftezehrenden Champions-League-Aus bei Real Madrid (0:3) schwere Beine haben könnten. „Wir müssen uns auf uns konzentrieren und um unsere Mannschaft kümmern“, betonte Sportchef Thomas Eichin. Der VfL hat bereits sechs Punkte Rückstand auf einen Europa-League-Platz, muss dementsprechend unbedingt im Weserstadion gewinnen.

Fehlen wird den Gästen definitiv Julian Draxler. Der Nationalspieler hat sich in Ma-drid eine Muskelbündelriss zugezogen, droht für den Rest der Saison und eventuell sogar für die EM in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli) auszufallen. „Ich bin enttäuscht und es ist sehr schade, dass ich meiner Mannschaft erstmal nicht dabei helfen kann, unser Saisonziel noch zu erreichen“, sagte der 22-Jährige.

Lars Blancke
Lars Blancke Sportredaktion