ASCONA - Eine EM der kurzen und schnellen Wege ist das Fußball-Turnier in den deutschen Nachbarländern Österreich und Schweiz nicht – obwohl beispielsweise die Schweiz (41 285 Quadratkilometer) kleiner als Niedersachsen (47 624) ist. Die Alpen erfordern viele Passstraßen und Tunnel, hinzu macht ein generelles Tempolimit auf Autobahnen vermeintlich kurze Strecken zu langen Fahrten. Während in der Schweiz höchstens 120 km/h auf Autobahnen erlaubt sind, wartet Österreich mit einer ungewöhnlichen Variante auf: Tagsüber gilt ein Limit von 130 km/h, nachts sind es 110 km/h.
Die deutsche Mannschaft freilich muss sich um die Reisebelange der Fans nicht scheren, von der generellen Autobahnvignette in der Schweiz für 27 Euro ganz zu schweigen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat für seine Elitekicker einen Flieger gechartert, mit dem es vom Wohnort im Kanton Tessin in die österreichischen Vorrunden-Spielorte Klagenfurt und Wien geht. Das Nachtlandeverbot am Flughafen Lugano wurde nach Verhandlungen über die finanziellen Bedingungen kurzerhand außer Kraft gesetzt, so dass Spieler, Edelfans und einige Journalisten auch nach den Partien in Österreich noch nachts wieder in den Ferienort Ascona in der Nähe der italienischen Grenze zurückkehren können.
Bundestrainer Joachim Löw hatte schon lange vor der perfekt gemachten Qualifikation ein Auge auf das Quartier in Ascona geworfen, ebenso wie die Mannschaften aus den Niederlanden und der Türkei. Als das deutsche Team als erstes überhaupt den Sprung zum Turnier perfekt gemacht hatte, buchten Löw & Co. sich ein – obwohl noch gar nicht feststand, wo die DFB-Auswahl ihre Spiele austragen würde. Und auch nach der Auslosung mit den Vorrunden-Spielorten in Österreich hielt der DFB an der Wahl fest. „Wir finden hier optimale Bedingungen vor“, lobt Löw die Unterbringung im exklusiven Hotel „Il Giardino“ in Ascona und die Trainingsmöglichkeiten im nahe gelegenen Tenero.
Nicht nur die deutsche Mannschaft genießt die Ruhe in der italienischsprachigen Schweiz fernab der Spielorte. Das Team aus Schweden ist in Lugano in etwa 40 Kilometer Entfernung untergebracht. Die 16 Turnierteilnehmer haben sich gerecht – jeweils acht – auf beide Ausrichterländer verteilt. Die Schweizer bleiben dabei selbstverständlich im eigenen Land (Feusisberg) wie die Österreicher (Stegersbach).
Klagenfurt – hier trifft Deutschland am 8. Juni auf Polen und am 12. Juni auf Kroatien – ist mit 92 000 Einwohnern die kleinste der acht EM-Städte. Zu den Vorrundenspielen in der Landeshauptstadt Kärntens werden jeweils 150 000 Fans erwartet – der bei weitem größte Teil davon wird mit Public-Viewing-Plätzen und TV-Übertragungen in Gaststätten vorlieb nehmen müssen, schließlich fasst das neue Wörthersee-Stadion lediglich 30 000 Besucher.
