Wolfsburg - Warum nicht immer so? Die historische Sternstunde gegen Real Madrid gelang dem VfL Wolfsburg in der fast sicheren Gewissheit, kommende Saison auf Fußball-Galas wie am Mittwoch verzichten zu müssen. „Wir haben die Champions League in der Bundesliga aus den Augen verloren. Deshalb ist es jetzt unser Ziel, uns direkt für die Champions League zu qualifizieren“, sagte Wolfsburgs Torschütze Maximilian Arnold zum 2:0-Siegtreffer (25. Minute) nicht ganz ernst gemeint zum VfL-Dilemma.
So vermessen, die Champions League zu gewinnen, um kommende Saison wieder in der Königsklasse dabei zu sein, wollte nach der „atemberaubenden“ Nacht (Arnold) und dem überraschenden Sieg im Viertelfinal-Hinspiel niemand sein. Dabei dürfte dies die einzige Chance sein für den VfL, der gegen die „königlichen“ Superstars so spielte, als habe er nichts anderes als den Titel im Sinn. Vor allem Bruno Henrique, der ein traumhaftes Königsklassen-Debüt im VfL-Trikot gab, stach dabei heraus. Das 1:0 hatte Ricardo Rodriguez mit einem Strafstoß erzielt (18.).
„Es ist eins von den Spielen, das keiner je vergessen wird“, sagte VfL-Kapitän Diego Benaglio stolz. Etwas anderes bleibt den Wolfsburgern aber nicht übrig. Schon am Sonnabend wartet gegen Mainz 05 (18.30 Uhr) der schnöde Liga-Alltag. „Das ist das Schwerste, was es gibt im Fußball, nach so einem Abend in den Alltag der Bundesliga zurückzukommen“, gestand Weltmeister Julian Draxler.
Dabei ist die Partie gegen Mainz mindestens so wichtig wie der unvergessliche Erfolg gegen Real. Will der Bundesliga-Achte (38 Punkte) ernsthaft noch einmal in das Rennen um die Europapokalränge eingreifen, ist ein Sieg gegen den Tabellen-Sechsten (44) Pflicht. „Ich hoffe, dass diese Vorstellung nicht zu viele Körner gekostet hat, denn wir müssen sehen, dass wir in der Liga irgendwie noch an die europäischen Plätze rankommen“, meinte Coach Dieter Hecking.
Derweil erlebte sein Gegenüber auf Real-Seite, Zinédine Zidane, bei der peinlichen Pleite am Mittwochabend die bisher schlimmste Niederlage in seiner gerade erst begonnenen Trainer-Karriere. Mehrfach hatte der frühere Weltklasse-Spieler auf die bohrenden Fragen der spanischen Journalisten hilf- und ratlos wiederholt: „Wir müssen das analysieren.“
Der Trainer-Neuling wird auch beim zweiten Blick auf das Spiel erkennen, dass Real überheblich und arrogant aufgetreten ist. Dass sein Star-Ensemble in seine Einzelteile zerfiel. Und dass das ewige Lamentieren von Cristiano Ronaldo ebenso peinlich war wie die dreiste Schwalbe von Marcelo in der 67. Minute.
