Bremen - Ein paar Pfiffe bei der Vorstellung, ein paar Pfiffe mehr bei der Auswechslung – der Wirbel um Davie Selke hat sich bei Werder Bremen schnell gelegt. Einen Bodyguard hatte der 20-Jährige nicht nötig, dessen Acht-Millionen-Euro-Transfer zu RB Leipzig die Gemüter erhitzte. „Das ist doch alles im Rahmen geblieben“, kommentierte Teamkollege Zlatko Junuzovic die wenigen Unmutsäußerungen gegen Selke bei dessen blassen 60-Minuten-Auftritt gegen Mainz 05. „Wir werden ihm in den nächsten Wochen weiterhin helfen.“

Manager Thomas Eichin war nicht überrascht, dass der junge Profi das Theater um seine Person nicht so einfach wegstecken konnte. 19 Ballkontakte und kein Torschuss – mit dieser mageren Bilanz passte sich Selke dem Niveau seiner Mitspieler beim tristen 0:0 nahtlos an. Dennoch verteidigte Eichin den von ihm unterstützten Transfer. „Wir wollen auch weiterhin Talente ausbilden und entwickeln, und dann, wenn sie richtig gut performen, auch verkaufen“, erläuterte der Geschäftsführer den Werder-Weg. Er soll den klammen Club in eine finanziell bessere Zukunft führen.

„Wir haben jetzt einen anderen Handlungsspielraum, auch wenn die Bäume nicht in den Himmel wachsen“, betonte Eichin. Mit dem Selke-Geld können die Bremer nicht nur Löcher stopfen, sie wollen es auch in neue Spieler investieren. Das System von Trainer Viktor Skripnik ist auf zwei Stürmer ausgerichtet. Neben Torjäger Franco di Santo, dessen Vertragsverlängerung Priorität hat, soll ein torgefährlicher Zugang als Selke-Ersatz geholt werden. „Die Suche läuft, es gibt einige Kandidaten“, erklärte der Manager.

Namen nannte er nicht, in Bremen wird aber über Mark Uth vom SC Heerenveen oder Kölns Anthony Ujah als mögliche Zugänge spekuliert.

Außerdem berichteten die „Bild“-Zeitung und das Fachmagazin „Kicker“ am Montag auf ihren Internetseiten, dass der Mainzer Julian Baumgartlinger offenbar ganz oben auf Werders Wunschliste stehe – auch wenn der 27-jährige österreichische Nationalspieler eher im defensiven Mittelfeld zu Hause ist.

Auch Skripnik hatte eine größere Fan-Wut gegen Selke erwartet. „Es waren nicht so viele Pfiffe zu hören“, freute sich der Werder-Trainer. Spätestens in zwei Wochen, wenn am Sonntag, 19. April (15.30 Uhr), der Hamburger SV zum Nord-Klassiker nach Bremen kommt, dürfte sich das Thema endgültig erledigt haben. Gegen den Erzrivalen soll dann der gegen Mainz ausgefallene 500. Bundesliga-Heimsieg eingefahren werden.

Werders dienstältester Spieler, Clemens Fritz, bleibt den Bremern indes wohl noch ein Jahr erhalten. Wie der „Kicker“ berichtete, wird der 34-Jährige in den kommenden Tagen einen Vertrag für ein weiteres Jahr unterschreiben. Der ursprüngliche Kontrakt des Ex-Nationalspielers läuft im Sommer aus. „Ich fühle mich noch fit und den Anforderungen der Bundesliga gewachsen“, sagte der Kapitän, der nach seiner Laufbahn eine Ausbildung im Bremer Management absolvieren soll.