München - Auf Krücken humpelte Toni Kroos aus der Münchner Fußballarena, tristgrau wie seine Mütze war auch die Laune des Nationalspielers. An einem Abend voller Hochstimmung war Bayerns Offensivkünstler der große Verlierer. Schon nach einer knappen Viertelstunde musste der 23-jährige Pechvogel raus – Muskelbündelriss in den Adduktoren und sechs Wochen Pause, Minimum. „Er wird uns möglicherweise diese Saison nicht mehr zur Verfügung stehen“, mutmaßte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.
Dass der deutsche Fußball-Dominator auch ohne den in dieser Saison erstarkten Kroos beim 2:0-Sieg gegen Juventus Turin nie nachließ, sondern im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League spielerisch eher noch zulegte, spricht für das bayerische Star-Kollektiv. Für Kroos aber ist die Verletzung am rechten Bein gleich dreifach schmerzlich: Denn in einer Saison, in der die Münchner nach zwei titellosen Jahren wieder chancenreich nach dem Triple streben, ist der etatmäßige offensive Chefpassgeber im Schlussspurt zum Zuschauen verdammt.
Das Bundesliga-Finale und ein eventuelles Champions-League-Endspiel mit FCB-Beteiligung dürften in jedem Fall ohne Kroos über die Bühne gehen. Laufen Reha und Aufbautraining optimal, könnte er wohl allenfalls aufs DFB-Pokal-Finale hoffen – sofern die Bayern denn die Qualifikation für das nationale Cup-Endspiel am 1. Juni schaffen.
Auch Jupp Heynckes beklagte den Ausfall. „Das ist natürlich sehr bitter, weil in den nächsten zwei Monaten viele Entscheidungen fallen“, sagte der Coach. Das gelte vor allem für Kroos als jungen Spieler, „der klasse gespielt hat in dieser Saison“. Trösten wird den Trainer-Oldie immerhin der Formaufschwung von Arjen Robben: Der Niederländer ist nach diversen Wehwehchen in der Hinrunde wieder bestens drauf, saß zuletzt wegen der erheblichen Offensivkonkurrenz bei Spitzenspielen aber regelmäßig nur auf der Bank. Dank Kroos’ Ausfall winkt ihm nun ein Stammplatz auf der rechten Seite, weil Thomas Müller für Kroos künftig wieder regelmäßig auf seine Lieblingsposition ins Zentrum rücken dürfte.
„Das Gute ist, dass wir einen breiten Kader haben mit sehr guten Spielern, die in die Bresche springen können“, sagte Kapitän Philipp Lahm.
