Die Liste legendärer Elfmeterschießen ist am Dienstagabend in der Münchner WM-Arena um einen spektakulären Eintrag erweitert worden. Die titelgekrönten und erfolgsverwöhnten Fußballer des FC Bayern rutschten und schossen weit am Pokalfinale vorbei. Vier Versuche, kein Treffer. In Zahlen: München 0, Dortmund 2.

Wer hätte das im Vorhinein dieses Klassikers gedacht? So ein Schusspech hoch vier fehlte in der Münchner Endlos-Rekord-Sammlung bislang – und wird sich wohl so schnell auch nicht wiederholen.

Im Nachgang avancierte der unvergessliche Münchner Abend hier und da zum Tag der Binsenweisheiten. Das Glück muss man sich erarbeiten, lautet etwa eine. Eine andere Plattheit erinnert daran, dass ein Elfmeterschießen immer reine Glückssache ist.

Es gibt noch eine einfachere Erklärung: Im hochgezüchteten Erlebnisfußball der Neuzeit ist eben doch nicht alles studier- und programmierbar, so viel die Trainerstäbe, Analytiker und Spieler auch rennen, reden und trainieren. Es sind immer noch Menschen, die gegeneinander antreten. Das Spektakuläre schreibt Geschichte, das Unerwartete brennt sich ins Gedächtnis ein, das Menschliche verzaubert das Publikum.

Ja, die Über-Bayern haben verloren, ausgesprochen unglücklich. Aber macht sie gerade dieser sensationelle Pokalabend nicht auch sympathischer?