Dortmund - Die Ausstellungsmacher haben nicht zu viel versprochen. Es gibt sie, die Gänsehaut-Momente im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund. Wenn das Licht ausgeht und über Riesenbildschirme die WM-Siegtore von Helmut Rahn oder Mario Götze flimmern, werden Erinnerungen an große Tage in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wach.

Von Emotionen ist immer wieder die Rede am Montag beim Medientermin im neuen Museumstempel gegenüber vom Dortmunder Hauptbahnhof, der an diesem Sonntag offiziell eröffnet wird. Schon die Außenfront stimmt mit bewegten LED-Bildern auf die 7000 Quadratmeter große Fußball-Erlebniswelt ein.

Im Innern geht es dann mit einem akustischen Empfang weiter. Die Fahrt mit der Rolltreppe in die zweite Etage, in der der Rundgang beginnt, erinnert – vorbei an einem „Wimmelbild“ mit Fußball-Fans, Stimmen und Gesängen – an den Gang in ein Stadion. Oben angekommen wird schnell deutlich, warum Museums-Chef Manuel Neukirchner von einem „Museum 2.0“ spricht. Überall flimmert, blinkt und tönt es, die Fußballgeschichte wird multimedial vermittelt.

Den Anfang macht das „Wunder von Bern“. Hier können Besucher den Original-Ball vom WM-Finale 1954 bewundern, Weisheiten von Trainer Sepp Herberger vervollständigen und noch einmal die entscheidenden Szenen des denkwürdigen Finales gegen Ungarn miterleben. Es gehört zu den vielen liebevollen Details, dass die historischen Filmszenen und Radio-Reportagen in alten Röhrengeräten zu sehen und zu hören sind.

Weiter geht es durch die Geschichte von DFB- und DDR-Fußball. Das Wembley-Tor von 1966 wird zum Kriminalfall, bei dem die Besucher den Hergang ermitteln und anschließend abstimmen können. Tor oder nicht Tor? Das WM-Finale 1990 ist rund um ein großes Modell des Olympiastadions von Rom nachgestellt. Und gleich daneben liegt der Rasen-Fetzen mit dem Original-Elfmeter-Punkt, von dem aus Andreas Brehme den Siegtreffer gegen Argentinien erzielte.

Besonders emotional wird es, wenn sich der Raum verdunkelt und Filmszenen über Riesenbildschirme fliegen. Der Weg zum WM-Titel 2014 wird zur Multimedia-Show rund um einen Riesen-Ball. Da übersieht man fast, dass in einer Vitrine die Schuhe ruhen, mit denen Mario Götze in der Verlängerung den Siegtreffer im WM-Finale von Rio schoss. Gut 25 Stunden Filmmaterial können über die ungezählten Bildschirm-Terminals abgerufen werden, berichtet Neukirchner. In der „Schatzkammer“ können die errungenen Trophäen bewundert werden.

Die erste Etage gehört dem Vereinssport von der Bundesliga bis zu den Amateuren. Auch hier ist Multimedia Trumpf – etwa auf einer rotierenden Zuschauertribüne, von der aus kuriose Szenen aus mehr als 50 Jahren Bundesliga betrachtet werden können. Die „Hall of Fame“, in der bekannte Fußballer verewigt sind, bildet gewissermaßen den Schlusspfiff. Im Erdgeschoss angekommen können Fußball-Fans dann zur Erholung im Bus der WM-Mannschaft Platz nehmen.

Dass nicht nur mit diesem größten und schwersten von insgesamt 1600 Exponaten Sponsoring-Partner wie Mercedes und Adidas mehrfach ins Rampenlicht gerückt werden, gehört zu den Kritikpunkten am Deutschen Fußballmuseum, das mit Baukosten von 36 Millionen Euro im Soll blieb. Das Land Nordrhein-Westfalen steuerte 18,5 Millionen Euro bei, 9,6 Millionen Euro kamen von Partnern des DFB, 7,9 Millionen Euro aus Gewinnen der WM 2006. Die Stadt Dortmund stemmte fünf Millionen Euro für den Ausbau des Außenbereichs.

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau schlug denn auch den Bogen vom inzwischen ins Zwielicht geratenen Sommermärchen 2006 zum Fußballmuseum. „Hier ist ein Museumsmärchen wahr geworden“, stellte er fest. Nur Wolfgang Niersbach konnte den Runsgang an den Kultobjekten nicht so recht genießen. „Meine Freude wäre unbeschwerter, wenn es diese unberechtigten Vorwürfe nicht geben würde“, sagte der DFB-Präsident mit Blick auf jüngste Berichte über eine angebliche Korruption bei der Vergabe der WM 2006.