BANDIRMA - Es ist ein Basketball-Märchen, das der Verein Banvit BK in seiner kurzen Geschichte erlebt hat. Innerhalb von 16 Jahren ist aus der launigen Betriebsmannschaft des gleichnamigen Fleischverarbeiters eines der erfolgreichsten Teams der Türkei entstanden. An diesem Dienstag (20 Uhr, EWE-Arena) gastiert Banvit BK zum Eurocup-Gruppenspiel bei den EWE Baskets Oldenburg.
So kurz die Vereinsgeschichte auch ist, umso bemerkenswerter sind die Erfolge des Teams aus Bandirma, einer Hafenstadt am südlichen Rand des Marmarameeres mit 110.000 Einwohnern. Vor fünf Jahren, eine Saison nach dem Aufstieg in die höchste Spielklasse, gelang der Mannschaft der erste große Wurf auf europäischer Bühne. Bis ins Halbfinale des damals noch ausgetragenen Fiba-Europe-Cups schaffte es das Team.
In der vergangenen Saison marschierte die Mannschaft von Trainer Orhun Ene in der türkischen Liga bis ins Playoff-Halbfinale. Erst dort kam das Aus gegen den späteren Meister Fenerbahce Istanbul. Vor dieser Saison hatte Banvit BK auf die Teilnahme an der Euroleague gehofft. In der ersten Qualifikationsrunde scheiterte das Team allerdings an Le Mans, das später wiederum gegen Khimki Moskau ausschied und nun mit Oldenburg und Banvit BK in einer Eurocup-Gruppe spielt.
Der Trainer ist mit einer Größe von 1,87 Metern für einen Protagonisten im Basketball relativ klein, in der Türkei ist er aber ein ganz Großer. 202-mal trug Orhun Ene (43) das Trikot der Nationalmannschaft und gewann dreimal die Meisterschaft.
Auch in dieser Saison spielt das Team eine gute Rolle in der Meisterschaft. Nach sieben Spielen liegt Banvit BK hinter Fenerbahce auf Rang zwei. Kopf der Mannschaft ist Aufbauspieler Baris Ermis (25). Nicht nur als Passgeber, sondern auch als Schütze ist er ein Garant für den Erfolg. Mit der Türkei gewann der Nationalspieler vor zwei Monaten Silber bei der WM im eigenen Land.
Basketball ist mittlerweile nach Fußball die beliebteste Sportart in der Türkei. Die Erfolge der Vereinsmannschaften auf europäischer Bühne und der Nationalmannschaft ziehen die Menschenmassen in die Hallen. Verantwortlich für den Boom sind auch die jungen türkischen Basketballer, die den Sprung in die NBA schaffen. In dieser Saison spielen bereits fünf Türken in der nordamerikanischen Profiliga.
Aber auch spektakuläre Transfers in der Türkei lenken die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf diese Sportart. Den größten Coup landete Besiktas. Das Team aus Istanbul verpflichtete den NBA-Star Allen Iverson (35), der zehnmal ins All-Star-Team berufen wurde. Banvit ist trotz der Unterstützung durch den Haupt- und Namenssponsor zwar noch weit davon entfernt, finanziell mit den großen Teams aus Istanbul mitzuhalten. Sportlich sind sie aber schon auf Augenhöhe, und mit ein wenig Glück könnte in dieser Saison der Traum von der Meisterschaft Wirklichkeit werden.
