Barcelona - Erst die acht Tor-Ohrfeigen vom FC Bayern, jetzt eine Operation am schmerzenden Knie – und der Zweikampf mit Manuel Neuer um den Platz im deutschen Tor ist erstmal kein Thema mehr. Für Marc-André ter Stegen kommt es knüppeldick. Das Dilemma des Torwarts vom FC Barcelona verschärft aber auch die Problematik von Joachim Löw kurz vor dem Re-Start der Fußball-Nationalmannschaft nach mehr als neun Monaten Zwangspause, größtenteils wegen Corona.
Der Bundestrainer grübelt über seinen Kader für die ersten Spiele der Nations League, den er kommende Woche bekanntgeben wird. Dabei stellte sich für den 60-Jährigen die Frage: Wer ist angesichts der engen Terminierung zwei Wochen vor dem Bundesligastart ohne richtige Vorbereitung bereit für die Partien gegen Spanien am 3. September in Stuttgart und drei Tage später in Basel gegen die Schweiz?
Der große Bayern-Block soll nach dem Königsklassen-Turnier in Lissabon auf Geheiß von Trainer Hansi Flick in den Urlaub fahren. Auch die Nationalspieler von RB Leipzig (Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg) sowie Paris Saint-Germain (Thilo Kehrer und Julian Draxler) brauchen nach den Tagen in Lissabon eine Ruhephase. Und bei Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen wird man wie bei allen anderen Bundesligisten die Spieler nur mit Zähneknirschen für Löw abstellen.
Mit ter Stegen kann Löw frühestens im November wieder rechnen. Der 28-Jährige fällt laut Club-Mitteilung zweieinhalb Monate aus und steht für insgesamt fünf Länderspiele nicht zur Verfügung. „Ich werde einige Wochen brauchen, um mich zu erholen und zu hundert Prozent zurückzukehren. Ich bin ruhig und positiv in Bezug auf die Situation, ich werde bald wiederkommen“, schrieb ter Stegen am Abend vor der Operation am rechten Knie, die am Dienstag erfolgreich verlief.
„Das ist ein proaktiver Eingriff, um vorzubeugen und für die Zukunft vorbereitet zu sein“, schrieb ter Stegen. Sein Ausfall bedeutet für Löw, dass dieser im September und Oktober kaum auf Neuer verzichten kann. Kevin Trapp und Bernd Leno sind fürs Tor weiter in der Reservistenrolle.
Verhandlungen ums Personal mit seinem einstigen Assistenten Flick sind für Löw programmiert. „Es ist eine ganz besondere Situation, die so nie da war. Unsere Spieler, aber auch von den anderen deutschen Vereinen, die international dabei sind, benötigen Zeit zur Regeneration“, hatte Flick gesagt und „mindestens zwei Wochen Urlaub und zwei Wochen Vorbereitung“ für seine Turnierspieler proklamiert.
Löw hatte auf die Forderung diplomatisch reagiert: „Natürlich haben wir stets die Belastung im Blick, gerade für die Top-Spieler. Ich weiß aber, dass sich vor allem diese Spieler auf Länderspiele freuen. Wir werden eine Lösung finden, wenn es so weit ist.“
