Oldenburg - Oliver Kahn weilte am Mittwochabend in Turin. Dort analysierte der frühere Fußball-Nationaltorhüter für den TV-Sender ZDF das Weiterkommen seines Ex-Vereins Bayern München in der Champions League bei Juventus und war Augenzeuge des berühmten Bayern-Siegergens. Ob Kahn überhaupt von der beinahe zeitgleichen Niederlage der Münchner Bundesliga-Basketballer bei den EWE Baskets Oldenburg Notiz genommen hat, ist nicht überliefert. Sehr wahrscheinlich ist allerdings, dass der 43-Jährige trotz seiner Verbundenheit zum FC Bayern seine helle Freude an dem Spiel gehabt hätte – und zwar aufgrund der Oldenburger!

Denn mit welcher Entschlossenheit die Baskets dieses Spitzenspiel noch drehten, erinnerte stark an das Credo des ehemaligen Welttorhüters Kahn: „Immer weiter! Immer weiter!“ Die Aussage Kahns – getroffen im Jahr 2001, als die Bayern nach einem Herzschlagfinale noch vor Schalke 04 deutscher Meister wurden – beschreibt exakt die Mentalität der Oldenburger Basketballer in der Saison 2012/13.

Die emotionale Ausnahmesituation aufgrund des letzten Spiels in der alten EWE-Arena, eine schwache erste Halbzeit, ein starker Gegner, Pech bei Schiedsrichterentscheidungen oder ein 15-Punkte-Rückstand Mitte des dritten Viertels – all das konnte die Baskets an diesem Abend nicht aufhalten. „Die Mannschaft hat Charakter gezeigt, das zeichnet sie aus“, sagte Trainer Sebastian Machowski.

Der 41-Jährige hat es verstanden, ein Team aufzubauen, das auch in kritischen Phasen nie den Glauben an die eigene Stärke verliert – dies bewies es auch schon in den vergangenen beiden Auswärtsspielen, als es in Braunschweig und Frankfurt trotz Fehlstarts noch zum Sieg reichte.

Um die zuletzt unübersehbare mentale Müdigkeit zu verscheuchen, griff Machowski vor dem Bayern-Spiel zu einer ungewöhnlichen Maßnahme. Statt zu trainieren stand am Montag ein dreistündiges Wellness-Programm im Jagdhaus Eiden in Bad Zwischenahn auf dem Tagesplan – durchpusten, mal nicht an Basketball denken, lautete das Motto.

Es hat gefruchtet: Durch das 75:72 gegen München hat Oldenburg Rang drei nach der Hauptrunde schon sicher. Doch die Baskets wollen mehr, nämlich den derzeitigen zweiten Platz verteidigen. Dann hätte man nicht nur im Playoff-Viertelfinale, sondern auch in einem möglichen Halbfinale Heimrecht.

Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es aus den restlichen vier Partien noch drei Siege. Der erste soll möglichst schon an diesem Sonntag (16 Uhr) in Bremerhaven her. Der Nord-Rivale rangiert zwar nur auf Platz 13, ist aber dennoch nicht zu unterschätzen: Das Hinspiel gewannen die Eisbären in Oldenburg mit 75:72.