München/Oldenburg - In Mario Götze (20) von Borussia Dortmund hat Bayern München zur neuen Saison zweifelsfrei einen der begehrtesten Fußballer Europas verpflichtet. In Robert Lewandowski (24) könnte ein weiterer BVB-Leistungsträger ab Sommer 2013 oder 2014 für die Münchner spielen. Die Schwächung des Konkurrenten wäre für den FCB mindestens ein angenehmer Nebeneffekt – oder etwa von vornherein gewollt? Eine Übersicht:  Borussia Mönchengladbach: Für die damalige Rekordsumme von 1,3 Millionen D-Mark verpflichten die Bayern 1980, ein Jahr nach dem Amtsantritt von Manager Uli Hoeneß, Calle Del‘Haye von Borussia Mönchengladbach, dem Rivalen der 70er. Dabei können sie mit dem Flügelstürmer schon vom System her wenig anfangen. Del‘Haye wird zum Bankdrücker. Als Gladbach 1983 und 1984 wieder heranrückt, holen die Bayern Lothar Matthäus. 1. FC Nürnberg: Die Franken werden nach dem Aufstieg 1985 nacheinander Zwölfter, Neunter und Fünfter. Also holen die Münchner Hans Dorfner (1986), Stefan Reuter, Roland Grahammer (beide 1988) und Manfred Schwabl (1989). Der Club spielt danach wieder in unteren Tabellenregionen. 1. FC Köln: 1989 werden die Kölner Zweiter und sitzen den Bayern dicht im Nacken. Die Münchner kaufen in Jürgen Kohler den Abwehrchef des Vize-Meisters. Der FC wird 1990 noch einmal Zweiter, danach ist er nie wieder so gut. Karlsruher SC: Der KSC begeistert in den frühen 90ern, Trainer Winfried Schäfer spricht vom Meistertitel bis 2000. Nicht mit den Bayern. 1990 wechselt Michael Sternkopf an die Isar, 1991 Oliver Kreuzer, 1992 Mehmet Scholl, 1994 Oliver Kahn, 1997 folgen Thorsten Fink und Michael Tarnat. Nun sind die Badener mürbe, 1998 steigen sie ab. 1. FC Kaiserslautern: 1991 werden die Pfälzer Meister – und die Münchner Einkaufstour beginnt. Im Jahr des Lauterer Titels holen sie Bruno Labbadia, 1993 folgt Marcel Witeczek, weitere zwei Jahre später Ciriaco Sforza. 1996 muss Lautern in die 2. Liga. Nach der Rückkehr wird der FCK 1998 Meister und danach zweimal Fünfter. Also kaufen die Bayern erneut Sforza. Werder Bremen: Unter Trainer Otto Rehhagel wird Werder zum Münchner Dauer-Konkurrenten. Also greifen die Bayern zu bewährten Mitteln: 1995 holen sie Andreas Herzog und Rehhagel, 1996 Mario Basler. Werder stürzt ab und erholt sich erst Jahre später. Und wieder schlägt Bayern zu: 2005 kauft der Verein Valerien Ismael, zwei Jahre später Miroslav Klose. Und der FCB verpflichtet Aachens Jan Schlaudraff, nur damit der nicht zu Werder geht. Nach Werders Vizemeisterschaft 2008 zieht auch Tim Borowski zum Rekordmeister weiter. VfB Stuttgart: Mit dem heutigen Bundestrainer Joachim Löw und dem „magischen Dreieck“ Krassimir Balakow, Giovane Elber und Fredi Bobic wird der VfB zum ernsthaften Konkurrenten. 1997 gewinnen die Schwaben den DFB-Pokal, Elber geht danach zum FCB. Stuttgart erreicht 1998 das Finale im Europapokal der Pokalsieger, wird in der Liga aber nur Elfter. 2009, nachdem der VfB nacheinander Meister, Sechster und Dritter wurde, holen die Bayern Mario Gomez für die Rekordsumme von 35 Millionen Euro, die erst Götze nun überbietet (37 Millionen). Bayer Leverkusen: Um die Jahrtausendwende hat Bayer seine stärkste Zeit. Zwar versagen die Rheinländer immer im entscheidenden Moment, aber Bayern geht auf Nummer sicher. 2001 kommt Robert Kovac, nach Leverkusens „Triple-Vize“ 2002 folgen Zé Roberto und Michael Ballack, 2004 dann noch Lucio. Bayer war bis heute nicht Meister. Schalke 04: Wie Leverkusen schaffte es auch Schalke in der Bundesliga nie, Meister zu werden. Aber auch dort bedient sich der Rekordchampion. Nach dessen drei Toren im legendären 6:6 im DFB-Pokal verpflichten sie Olaf Thon (allerdings nach Schalker Abstieg 1988), ein Jahr nach Schalkes Uefa-Cup-Sieg 1997 holen sie Thomas Linke, nach dem Halbfinal-Einzug der Gelsenkirchener in der Champions League 2011 wechselt Torhüter Manuel Neuer.

Keine Abwerbungen gab es lediglich beim Hamburger SV in den frühen 80ern und bei Dortmund Mitte der 90er. Dem BVB luchsten die Bayern nach dessen Vize-Meisterschaft 1992 aber immerhin Thomas Helmer ab. Bei Matthias Sammer, Stefan Reuter und Steffen Freund blitzten sie ab. Doch deren hochgepokerte Gehaltsforderungen belasteten die Dortmunder.

Hauke Richters
Hauke Richters Sportredaktion (Leitung)