Dortmund/München - Die Club-Bosse sind enttäuscht, die Fans stocksauer – die Vorfreude ist getrübt: Ausgerechnet in die Euphorie vor dem wichtigsten Heimspiel der Dortmunder Borussen seit 15 Jahren platzte die Meldung vom Wechsel Mario Götzes zu Bayern München. Im Vorfeld des Halbfinal-Hinspiels in der Fußball-Champions-League an diesem Mittwoch (20.45 Uhr/ ZDF) gegen Real Madrid war die Stimmung auf dem Tiefpunkt. Die BVB-Verantwortlichen versuchten zu retten, was zu retten war.
Keine Frage, der Super-Transfer von Mario Götze traf den Konkurrenten mitten ins Herz. BVB-Trainer Jürgen Klopp wirkte zerknirscht, räumte aber ein, dass er schon am Donnerstag nach dem Viertelfinal-Rückspiel gegen Malaga davon gewusst habe. „Die Zeit heilt nicht alle Wunden“, meinte der Dortmunder Erfolgstrainer, „aber sie hilft beim Heilen auf jeden Fall. Aber die Nachricht an sich ist nicht so gut.“ Die Aktie des börsennotierten BVB reagierte mit Kursverlusten.
Götze hat in Dortmund noch einen Vertrag bis 2016, kann den BVB aber für eine festgeschriebene Ablösesumme von angeblich 37 Millionen Euro verlassen. Laut Klopp habe für Götze die Chance, unter dem künftigen Bayern-Coach Guardiola zu reifen, die ausschlaggebende Rolle gespielt. Watzke reagierte in einer offiziellen Stellungnahme tief getroffen: „Wir sind natürlich über alle Maßen enttäuscht, betonen aber, dass sich sowohl Mario als auch sein Berater absolut vertragskonform verhalten haben.“
Kurz nach dem BVB bestätigten auch die Münchner den in vielfacher Hinsicht besonders pikanten Transfer. Aus Rücksicht auf das anstehende Halbfinale der Dortmunder habe man dies erst nach dem Real-Spiel gegenüber dem BVB anzeigen wollen, versicherten die Bayern.
War der Zeitpunkt, an dem die Nachricht durchsickerte, wirklich ein Versehen oder gar ein Zufall? Beim BVB und insbesondere dessen aufgebrachten Fans sorgte das Bekanntwerden vor dem Duell gegen Real für große Unruhe. Götze und Co. mussten das Abschlusstraining am Dienstag unter verstärkter Polizeipräsenz absolvieren. Den Bayern indes kam der Zeitpunkt der Veröffentlichung gelegen: Die Nachricht von der Götze-Personalie verdrängte kurzzeitig die Steueraffäre um Präsident Uli Hoeneß.
Die Reaktionen auf die abermalige Verpflichtung eines Ausnahmekönners von einem Bundesliga-Konkurrenten durch die Bayern waren unterschiedlich. Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen sprach von einer „genialen Idee“, Wolfsburgs Coach Dieter Hecking von einem „Supertransfer“. Bayerns Ex-Profi Lothar Matthäus zeigte sich dagegen „geschockt“. Götze habe die BVB-Fans getäuscht, auch der FC Bayern spiele eine unwürdige Rolle. „Das schadet der Glaubwürdigkeit des Fußballs“, meinte der bei Hoeneß in Ungnade gefallene Rekordnationalspieler.
