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NWZonline.de Sport Fußball

Beckenbauer und der Gedächtnisschwund-Altersbonus

12.08.2013

Die Torwand muss weg!

Alle sind älter geworden: Dieter Kürten, Doris Papperitz, Bernd Heller, Karl Senne und andere, die in 50 Jahren das „Sportstudio“ im ZDF moderiert haben. Aber sie sind, im Gegensatz zur Wand mit den beiden Löchern unten rechts und oben links, nicht veraltet.

Das Torwandschießen war der langweiligste Teil einer leicht überladenen, aber flotten Jubiläumssendung mit vielen Kombinationen von Vergangenheit mit Gegenwart. Spannend war bei der Torwand nur die Historie. Im Studio hat niemand den Ball sechsmal versenkt – außerhalb aber Eishockey-Idol Lorenz Funk 1975 bei einer ZDF-Werbeaktion.

In einer Drei-Generationen-Runde mit Mario Götze und Rudi Völler durfte Franz Beckenbauer als Alterspräsident vom Gedächtnisschwund-Bonus zehren. „Das soll ich gesagt haben?“, fragte er entgeistert, als Moderator Michael Steinbrecher aus einer Kolumne von 1977 zitierte: „Im Fußball könnten leistungssteigernde Substanzen genommen werden“, ahnte der Franz damals. „Aber wir haben ja immer nur unsere Vitaminspritzen bekommen“, fügte er naiv an.

Hei, da wurde aus dem freundlich aufgekratzten Gastgeber Steinbrecher der bohrende Journalist Steinbrecher: „Vitaminspritzen? War da wirklich Vitamin drin?“ Da steckte der Franz in der Sackgasse: „Was weiß ich? Das haben die uns so gesagt.“ Wahrscheinlich setzt das „Sportstudio“ auf weitere Besuche. Also wurde Steinbrecher leider wieder sittsam und schwenkte zu Völler.

Die Stärke der Gesprächsrunden zeigte sich schon zuvor. Sprinter Manfred Ommer hatte 1977 einen fast revolutionären Auftritt, in dem er sich zur Einnahme von Doping-Substanzen bekannte. Auch diesmal polarisierte er. Da blitzte in der Diskussion mit dem Sport-Philosophen Gunter Gebauer die Streitkultur auf, die das „Sportstudio“ zur Marke gemacht hat. Schade, dass es eine Jubiläumssendung war. Also musste Steinbrecher Denker Gebauer das Schlusswort lassen. Schön, schön, dessen Ethik.

Die kontroversen Gesprächsrunden sind das Pfund des „Sportstudios“. Kommt es von ungefähr, dass ein heftiges Streitgespräch den Zuschauern am nachhaltigsten aus fünf Jahrzehnten in Erinnerung geblieben ist? Intensiver als ein Affe, der Jonny Weißmüllers Frau im Studio die Perücke vom Kopf riss. Oder als eine Moderatorin, die mal „Schalke 05“ sagte. An die Spitze einer Hitliste wählten die Zuschauer ein wortreich-aggressives Grätschen zwischen Christoph Daum und Uli Hoeneß.

Was nun die Torwand angeht. Die wollte ein Intendant schon in den 70ern abschaffen. Die Proteste waren gewaltig. Diesmal könnte es ruhiger zugehen. Von 3,78 Millionen Zuschauern damals ist die Quote jetzt auf 2,02 Millionen gesunken. Wisst ihr überhaupt beim ZDF, dass das bei den Umbrüchen in der Medienwelt nach 50 Jahren ein ganz toller Wert ist?

Glückwunsch!

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