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NWZonline.de Sport Fußball

Bei der Kommentierung durch Frauen stören manchmal nur die Männer

09.07.2011

Vorurteile gibt es nicht nur im Frauenfußball. Frage im Tennis: Was ist ein Mixed? Ein Männer-Spiel mit Behinderung durch Frauen. Alter Witz, sicherlich. Bei der Fußball-WM definieren die Frauen das gemischte Doppel zumindest im Fernsehen neu: Frauen-Kommentierung mit Behinderung durch Männer.

ARD und ZDF haben Mixed-Teams eingesetzt. Sie bekommen zwar nicht die Analyse-Zeit zugeteilt wie die etablierten oder legendären Männer-Doppel. Aber die Frauen nutzen sie, um die Fachsimpeleien vor, zwischen und nach den Spielen erfrischend aufzulockern.

Das entschärft sogar eine Humbug-Frage wie die von Sven Voss im ZDF an Kollegin Silke Rottenberg: „Was macht man da eigentlich, in dem Moment, wenn man auf den Platz geht?“ Die frühere Nationaltorhüterin atmet tief durch und sagt: „Man guckt mal, ob der Rasen gemäht ist.“

Eleganz gegen Krampf setzt sie auch in anderen Szenen. Leider wirkt sie manchmal verkniffen. Sie ruft ins Mikrofon wie in ein Handy, als ob die ganze Umgebung mithören solle.

Das ARD-Doppel Nia Künzer/Claus Lufen passt sich die Bälle filigraner zu. Das Männer-Doppel Gerhard Delling/Günter Netzer diente offenbar als Vorbild. Lufen gibt den Delling-Part, zeigt naive aber raffinierte Bewunderung für die Ex-Nationalspielerin. Die ignoriert das lässig und analysiert locker-konzentriert.

Nicht ausgeglichen besetzt hat Frank Plasberg das Team in seiner Hart-aber-fair-Runde im Ersten: Ein Drittel Frauen gegen zwei Drittel Männer. Doch die fabrizieren Eigentore. So Uli Stein, der Torwart-Trainer von Aserbaidschan: „Es ist leichter, bei den Frauen Weltmeister zu werden als bei den Männern.“ Klar. Es ist auch leichter, im Rennrodeln Olympiasieger zu werden als im 100-Meter-Lauf.

Über der Sendung lastet eine Urfurcht wie über der ganzen WM: Die Angst, gegen eine gar nicht angeordnete geschlechtliche Korrektheit zu verstoßen. Vorsorglich biedert sich Rolf Töpperwien als Verfechter des Frauenfußballs an. Den Titel der Sendung „Tolle Spiele gibt es auch in der C-Jugend“ hinterfragt niemand. Geht es um die C-Jugend der Jungen oder der Mädchen?

Wenn Stein sich mit der These vom technisch niedrigen Niveau bei den Kickerinnen vorwagt, verliert er den Ball: „Ihr Männer habt in der fußballerischen Entwicklung ja auch 70 Jahre Vorsprung gehabt.“ So sprach die wohlgelaunte Bärbel Wohlleben, die erste Frau, die jemals ein „Tor des Monats“ schoss.

Zur Halbzeit der WM liegen die Frauen in Führung, jedenfalls rund ums Spielfeld. Auch Sabbeltasche Claudia Neumann, die erste Live-Reporterin bei einer WM, verdirbt diesen Vorteil nicht.

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