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NWZonline.de Sport Fußball

So geht Klinsmann mit Heimpleite um

02.12.2019

Berlin Sein Einstand auf der Hertha-Bank ging schief, die Stimmung bei den Fans ist explosiv – doch Jürgen Klinsmann bleibt Jürgen Klinsmann. Am Tag nach dem bitteren 1:2 seines neuen Clubs gegen Borussia Dortmund war beim prominenten Trainer-Zugang des Berliner Fußball-Bundesligisten kein Hauch von Hektik oder gar Katastrophenstimmung zu entdecken. „Die Mannschaft hat sehr viel Potenzial und den Willen, das Ding in die richtige Richtung zu bringen“, erklärte Klinsmann am Sonntag, während sich ein ungebetener Gast im original Spieler-Outfit unter seine Trainingsgruppe mischte.

Der falsche Spieler, der seinen Scherz noch filmen ließ, wurde erkannt und des Platzes verwiesen. Klinsmann bleibt die Erkenntnis, dass er in Berlin vor einer äußerst pikanten Mission steht – Happy End ungewiss. „Wir werden die Intensität nach oben schrauben“, kündigte der ehemalige Bundestrainer an: „Weil wir wissen, wo wir stehen. Wir lesen alle die Tabelle.“ Mit elf Punkten steht Hertha nun sogar auf dem Abstiegsrelegationsplatz.

„Es ist natürlich alles noch sehr hektisch, aber auch schön“, sagte Klinsmann mit einer Nacht Abstand. Sein Bundesliga-Comeback nach zehneinhalb Jahren hatte der Wahl-Amerikaner für sich ganz persönlich mit dem Handy festgehalten. Vor dem Anpfiff betätigte er sich mitten in der Traube der Profifotografen als Amateurfilmer. „Es war eine spontane Aktion. Ich mag es, wenn die Kurve singt: ‘Nur nach Hause geh’n wir nicht’.“ Dass auf seinem Smartphone das Logo des Mitbewerbers eines Hertha-Sponsors prangte, tue ihm leid: „Es ist ein neues Handy“, dass er von seiner Frau Debbie bekommen habe.

„Wir haben uns ein bisschen mehr erwünscht“, räumte Klinsmann mit Blick auf das Spiel ein. Dass er nach der Verunsicherung beim 0:4 in Augsburg, das Ante Covic den Job gekostet hatte, die Startelf nur auf drei Positionen veränderte, erstaunte viele. Nach 17 Minuten und den Treffern der BVB-Offensivspieler Jadon Sancho und Thorgan Hazard drohte dem System Klinsmann mit den ebenso prominenten Helfern um Bundestorwart-Coach Andreas Köpke gleich ein Totalausfall.

Der wurde aber verhindert, da Hertha vor allem mit Kratzen und Beißen zurückfand und zwei Szenen das Kräfteverhältnis veränderten. Zuerst lenkte Vladimir Darida einen Schuss von Dodi Lukebakio zum Anschluss ins BVB-Tor. Dann flog Dortmunds Abwehrchef Matz Hummels kurz vor der Pause nach Doppelfoul an Davie Selke mit Gelb-Rot vom Platz. Dass der vermeintliche Ausgleich durch Selke wegen einer knappen Abseitsposition nach Videobeweis zurückgenommen wurde, ärgerte die Berliner Protagonisten. „Es ist eine Katastrophe“, wetterte der Stürmer: „Das bringt uns um unseren verdienten Lohn.“

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