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NWZonline.de Sport Fußball

Corona: Virus bringt Weltsport zum Erliegen

13.03.2020

Berlin Der Weltsport kommt zum Erliegen. Die Corona-Pandemie stoppt eine Liga nach der anderen – in den USA pausieren die NBA, NHL und MLS, in Deutschland die Bundesligen der Handballer und Basketballer. Die Europäische Fußball-Union lädt zu einer heiklen Krisensitzung am kommenden Dienstag: Die Verschiebung der EM 2020 ins nächste Jahr wird immer wahrscheinlicher, fast unumgänglich scheint die Aussetzung der Champions League und Europa League. Die Entwicklungen überschlagen sich.

Real Madrid stellte seine Fußballer um Nationalspieler Toni Kroos und die Basketballer nach einem positiven Test unter Quarantäne. Der Formel-1-Auftakt steht vor der Absage, nachdem ein McLaren-Mitarbeiter positiv getestet wurde und der Rennstall für den Großen Preis von Australien zurückzog. Und das ist nur ein Auszug.

Uefa tagt am Dienstag

Fast stündlich vermelden weitere Sportarten Konsequenzen wegen der Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2. Die Uefa hält sich trotz des immensen öffentlichen Drucks noch bedeckt und verweist auf die Videokonferenz der 55 Mitgliedsverbände am Dienstag. Dort soll Medienberichten zufolge über die EM (12. Juni bis 12. Juli) abgestimmt werden – die Verschiebung in den Sommer 2021 würde den nationalen Ligen Zeit verschaffen. Die Zweifel an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio wachsen.

Der Deutsche Fußball-Bund beschäftigt sich auch bereits mit einem Saisonabbruch, wie Generalsekretär Friedrich Curtius in einem Gastbeitrag für den „Kicker“ schrieb. „Wir müssen uns mit allen Szenarien beschäftigen, um vorbereitet zu sein, wenn der Fall eintreten sollte, dass der Spielbetrieb unterbrochen oder die Saison sogar vorzeitig beendet werden müsste.“

Über das Test-Länderspiel am 26. März in Spanien gegen Deutschland, für das Kroos durch die Quarantäne-Maßnahmen nicht zur Verfügung stehen dürfte, will der spanische Verband als Gastgeber am Freitag beraten.

96 will Spiele absetzen

Die Hoheit über die Bundesliga, die ihren Spieltag erstmals komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit absolvieren wird, und der 2. Liga hat derweil die Deutsche Fußball Liga. Und die hielt sich in den vergangenen Tagen mit Äußerungen zurück, selbst als in Deutschland in Timo Hübers von Hannover 96 der erste Profi positiv getestet worden war. Wie der Club am Donnerstag mitteilte, wurde nach Hübers auch Jannes Horn positiv getestet. Als Reaktion darauf stehen alle Spieler der Profimannschaft von Hannover 96 „ab dem heutigen Donnerstag für die nächsten 14 Tage aus Vorsichtsgründen unter häuslicher Quarantäne“, hieß es in einer Erklärung. Der Club beantragte bei der Deutschen Fußball Liga zudem die Absetzung der Zweitligaspiele gegen Dynamo Dresden am Sonntag und eine Woche später beim VfL Osnabrück.

Woanders wurde konsequent gehandelt. Die beste und berühmteste Basketball-Liga der Welt, die NBA, stellte den Spielbetrieb vorerst ein, nachdem zwei Spieler der Utah Jazz positiv getestet wurden. „Wenn das hier einfach explodiert, dann denkst du an deine Familie und möchtest sichergehen, dass du das Richtige tust“, betonte Mark Cuban, Besitzer der Dallas Mavericks. Die Fußballliga MLS zog am Donnerstag nach und pausiert zunächst für 30 Tage.

Ein Weitermachen-wie-bisher gibt es fast nirgendwo mehr. Die für die kommende Woche geplanten Partien in der Champions League zwischen Manchester City und Real Madrid sowie zwischen Juventus Turin und Olympique Lyon wurden abgesagt. Italien gilt als das Epizentrum des Coronavirus auf dem Kontinent. Die spanische Liga setzt für zwei Wochen den Spielbetrieb aus. Frankreich spielt ohne Zuschauer, die Premier League in England auch.

Und auch das angesetzte EM-Vorbereitungsturnier in Katar, das in der kommenden Länderspielpause durchgeführt werden sollte, ist abgesagt worden. Geplant war für Ende März ein Turnier mit Europameister Portugal sowie den weiteren EM-Startern Belgien, Kroatien und der Schweiz.

Tokio trotzig

Fast schon trotzig wirken in der globalen Lage die Aussagen der Verantwortlichen für die Olympischen Spiele. Man treffe Vorbereitungen, die Spiele und die anschließenden Paralympics wie geplant auszurichten, sagte Japans Regierungssprecher Yoshihide Suga. „Ich kann nicht sagen, dass das keine Auswirkung haben wird. Aber ich glaube, dass eine Absage unmöglich ist“, sagte Tokios Gouverneur Yuriko Koike.

Dass nun die USA auch noch ein Einreiseverbot für Europäer für 30 Tage erließen, dürfte für den Sport weitere Folgen haben. Seien es geplante Trainingscamps oder Wettbewerbe. Beispielsweise fällt das legendäre Masters in Augusta, das renommierteste Golf-Turnier der Welt, in den Zeitraum, es soll vom 9. bis 12. April stattfinden.

Wie geht’s weiter? Weitere Abbrüche und Absagen sind wahrscheinlicher als ein halbwegs geregelter Ablauf.

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