BERLIN - Den 12. September 1984 wird Joachim Streich nie vergessen. Die DDR-Auswahl trat im legendären Londoner Wembley-Stadion gegen England an. „Dieses Gefühl, dort zu spielen, war trotz der 0:1-Niederlage einfach unbeschreiblich und der schönste Moment in meinem Fußballer-Leben. Zufällig war es auch mein 100. Auswahlspiel, das machte es ganz besonders“, sagt Streich.

An die schönsten Momente seiner Karriere erinnert sich der ehemalige Stürmer in diesen Tagen besonders gern. An diesem Mittwoch feiert er im Kreis seiner Familie seinen 60. Geburtstag. Streich: „Ich fühle mich nicht wie 60, sondern ein ganzes Stück jünger.“

Insgesamt brachte er es auf 102 Einsätze im Dress der DDR. Damit ist er Rekordauswahlspieler und zugleich Rekordtorschütze mit 55 Treffern. „Diese Zahlen machen mich stolz, denn sie sind Ausdruck einer erfolgreichen Karriere über einen sehr langen Zeitraum“, sagt Streich.

Heute arbeitet er im Verkauf in einem Sportgeschäft in Magdeburg und genießt seine freie Zeit in heimischem Haus und Garten. Millionär wurde er trotz überragender Leistungen nicht, den Lockrufen der Bundesliga aus dem Westen widerstand er bzw. musste ihnen widerstehen.

Mit seiner Familie wird er am Sonnabend seinen Geburtstag nachfeiern. Denn mit seiner Frau Marita gönnt er sich in dieser Woche ein paar Tage Urlaub: „Wir machen eine Reise. Sie wird mich überraschen, denn ich weiß nicht, wo es hingeht. Vielleicht fahren wir an die Ostsee und verbringen den Tag ganz ruhig.“

Als Kolumnist hat der frühere Weltklasse-Angreifer, der beim 1:0-Sieg der DDR über die Bundesrepublik bei der WM-Vorrunde 1974 in Hamburg aus taktischen Gründen nicht zum Einsatz kam, das Fußball-Geschehen noch immer fest im Blick. „Ich verfolge alles von der Ersten bis zur Vierten Liga und sehe mir die Länderspiele an. Ich gehe oft in die Stadien, um am Ball zu bleiben“, sagt Streich.

Besonders interessiere sich Streich für die Teams aus der früheren DDR-Oberliga. „Was in Magdeburg passiert, macht mich besonders traurig. Dem Verein fehlt die sportliche Kompetenz“, sagt Streich. Momentan dümpelt der FCM auf Platz 14 der Regionalliga Nord herum, hat keine Aussicht auf Profi-Fußball und muss sogar den Abstieg in die Fünfte Liga fürchten.

Streichs Lieblingsverein ist Rekordmeister Bayern München, daraus machte er nie ein Geheimnis. Der Grund: „Sie haben über Jahrzehnte Erfolg, dafür habe ich viel Respekt.“ Kein Wunder, dass in Giovane Elber auch sein Lieblingsspieler ein früherer Münchner ist. „Er hat mich immer an mich erinnert. Er war ein Strafraumspieler, komplett und schwer ausrechenbar“, sagt Streich. Aber so viele Tore wie er schaffte auch Elber nicht.

Nach dem Karriereende versuchte sich Streich in Magdeburg, Braunschweig und Zwickau als Trainer. Er war 1990 in Braunschweig der erste Ost-Trainer, der im Westen eine Mannschaft übernahm. Mit dem Gedanken, auf die Trainerbank zurückzukehren, spielt Streich aber nicht: „Es ist nicht mein Bestreben, ins Fußball-Geschäft zurückzukommen.“