BERLIN - Die Spieler flüchteten wortlos in die Kabine, und auch Otto Rehhagel war die Lust auf Reden vergangen. „Manchmal ist es auch besser, wenn man nichts sagt“, kommentierte Berlins Coach nach dem peinlichen 1:4 (1:2) gegen den VfL Wolfsburg den selbst verordneten Maulkorb seiner Profis. Der Grund liegt auf der Hand. „Wir sind in einer bedrohlichen Situation“, gab der 73-Jährige zu. Der Rückstand des Vorletzten der Fußball-Bundesliga auf den rettenden 15. Platz wuchs auf vier Punkte an.

Eine Woche nach dem 3:1-Sieg in Mainz liegt Hertha erstmal wieder ernüchtert und sämtlicher Illusionen beraubt am Boden. Dabei war die achte Heimniederlage dieser Saison vermeidbar. „Wer keine Tore schießt und solche Chancen auslässt, kann kein Spiel gewinnen“, betonte Rehhagel. Nicht mal die Führung durch Lewan Kobiaschwilli (13. Minute) verlieh die nötige Sicherheit vor dem Tor des überragenden VfL-Torhüters Diego Benaglio.

Ob der in Mainz noch wegen seines Doppelpacks gefeierte Adrian Ramos oder der beim 3:2-Hinspielsieg erfolgreiche Pierre-Michel Lasogga – die Berliner Stürmer vergaben ihre Chancen kläglich. „Wenn man das Ergebnis sieht, täuscht es natürlich“, räumte Wolfsburgs Coach Felix Magath ein. Der vierte Sieg nacheinander sei „glücklich zustande gekommen“.

Zumal erst ein Eigentor von Christoph Janker (29.) seine Elf wieder ins Spiel zurückbrachte. Danach empfahl sich der einst von Magath degradierte Patrick Helmes (34./81.) für ein Last-Minute-EM-Ticket. Auch Mario Mandzukic (77.) traf zur Feier seines 50. Erstligaspiels.

Das war einfach zu viel für die Hertha-Profis, die bis auf die verheerende Chancenauswertung eine ansprechende Leistung gezeigt hatten. Beim schweren Gang in die Fankurve wurden bereits Pfiffe laut. Auf dem Weg zur Umkleide sagten die Berliner dann kein Wort. „Man muss sehen, dass man bald wieder auf die Reihe kommt“, meinte Rehhagel.

Seine Rettungsmission wird immer schwieriger. Entsprechend flüchtete sich auch der erfahrene Trainer-Routinier in Floskeln und Durchhalteparolen. „Wir geben den Kampf nicht auf. Solange rein rechnerisch alles möglich ist, müssen wir an uns glauben“, forderte der Hertha-Coach.

Am Sonntag versammelte er seine Mannschaft zum nicht öffentlichen Training. Seelenmassage war angesagt. Ob sie nutzt?