BERLIN - Ausreden bei Deutschlands Gruppengegnern, Sieg für Otto Rehhagels Griechen in der Endspiel-Neuauflage von 2004 sowie eine neue Trainer-Debatte in Italien: 72 Tage vor dem Start zur Fußball-EM erlebten einige Nationalteams ihr blaues Wunder.
Georgios Karagounis brachte die griechische Elf mit Freistoßtoren (33./60.) in Front, Nuno Gomes erzielte den Anschlusstreffer (75.). Die Medien im Lande des Titelverteidigers gerieten nach dem 2:1-Sieg gegen Portugal ins Schwärmen. Am Donnerstag hieß es dort, Rehhagel, der am 9. August 70 Jahre alt wird, läge bereits ein neuer, mit einer Million Euro pro Jahr dotierter Vertrag mit dem griechischen Verband bis 2010 vor.
Deutschlands erster Gruppengegner Polen (8. Juni) bemühte sich derweil, das 0:3- Debakel gegen die USA herunterzuspielen. „Dieses Ergebnis ist nicht aussagekräftig. Wir müssen den Saisonverlauf abwarten. Dann beginnt die entscheidende Phase“, sagte Trainer Leo Beenhakker.
Der Niederländer wies darauf hin, dass er sein Team gerade mal einen Tag zur Vorbereitung bei sich hatte. Den US-Toren durch Carlos Bocanegra (12.), Onyewu (35.) und Eddie Lewis (73.) hatte seine Elf nichts entgegenzusetzen.
Auch Deutschlands zweiter Gruppengegner Kroatien (12. Juni) verzichtete nach dem 1:1 in Schottland auf Selbstkritik: „Wir haben uns extra einen besonders schweren Gegner ausgesucht. Sie haben ein starkes Team“, sagte Trainer Slaven Bilic. Sein Team war durch Niko Kranjcar (10.) in Führung gegangen, ehe Kenny Miller (30.) den Ausgleich erzielte. Bei den Kroaten kam Ivan Klasnic erstmals nach seinen zwei Nierentransplantationen zum Einsatz. „Es war schön, wieder dabei zu sein“, gestand der Stürmer von Werder Bremen.
Österreich, dritter Gruppengegner der DFB-Elf (16. Juni), sah nach dem 3:4 gegen die Niederlande Fehler ein. „Ich hoffe, wir finden rechtzeitig unsere Form“, meinte Trainer Josef Hickersberger. Sein Team war durch Andreas Ivanschitz (6.) und den künftigen Werder-Spieler Sebastian Prödl (18./35.) mit 3:0 in Führung gegangen, zog aber dennoch den Kürzeren.
Einen Dämpfer musste Italien hinnehmen. Der Weltmeister verlor in Spanien durch einen sehenswerten Treffer von David Villa mit 0:1. Anschließend musste sich Trainer Roberto Donadoni wieder einmal Fragen über seine Ablösung gefallen lassen.
Auch Bayern-Star Franck Ribery konnte durch sein Siegtor per Foulelfmeter zum 1:0 Frankreichs gegen England, das bei der EM nicht vertreten ist, die Stimmung von David Beckham nicht trüben. „Ich bin stolz über mein 100. Länderspiel. Das erreichen nicht viele“, sagte der Jubilar. Während Trainer Fabio Capello seinen Routinier lobte, stellten britische Zeitungen ein 101. Länderspiel in Frage.
