BERLIN - Joachim Löw wird den Wettbewerb um die 23 WM-Plätze bis kurz vor der Anreise nach Südafrika ausreizen – und kassiert für das „Zeitspiel“ im Fall Kuranyi von Meister-Trainer Felix Magath Kritik. Angesichts der Termin- und Personalprobleme wird es am 6. Mai in Stuttgart nur eine „vorläufige Kadernominierung“ für die Fußball-WM geben, verriet der Bundestrainer nach der Klausurtagung in Baiersbronn. „Für die endgültige Nominierung haben wir Zeit bis 1. Juni“, erklärte der Chefcoach der deutschen Nationalelf zu der länger als ursprünglich geplanten Auslese.

Schalke-Coach Magath, der eine schnelle Entscheidung über ein DFB-Comeback von Kevin Kuranyi gefordert hatte, spottete: „Ich finde es gut, dass sich das Trainerteam drei Tage lang hingesetzt und dann entschieden hat, noch etwas zu warten. Wenn er sich nach 30 Spieltagen noch nicht entscheiden kann, dann müssen wir eben bis zum 34. Spieltag warten.“

Löw hat mit seinem Trainerstab alle Pläne durchgespielt, die zum großen Teil mit den Erfolgen von Bayern München und dem Hamburger SV im Europapokal zu tun haben. Denn erst wenn klar ist, ob die Bayern das Champions-League-Finale (22. Mai) und die Hamburger das Europa-League-Endspiel (12. Mai) erreichen, kann Löw den entsprechenden Plan aus der Schublade ziehen.

Nach den Halbfinal-Rückspielen in der letzten April-Woche kann Löw entscheiden, mit welchem Personal und vor allem mit wie vielen Spielern die Vorbereitung und die erste WM-Testpartie am 13. Mai in Aachen gegen Malta angegangen werden sollen. Bis Ende April werden alle personellen „Streitfälle“ vertagt, allen voran das mögliche DFB-Comeback von Kuranyi. Für das Malta-Spiel, bei dem Kapitän Michael Ballack und die Akteure der DFB-Pokal-Finalisten Bayern und Werder fehlen werden, gibt es im Trainerstab gar die Überlegung, U-21-Spieler hinzuzunehmen, die für das WM-Aufgebot keine Rolle spielen.

Zunächst muss sich Löw nur auf einen 30er-Kader festlegen, der bis 11. Mai beim Weltverband Fifa gemeldet sein muss. Aus diesem darf spätestens am 1. Juni das endgültige 23-köpfige WM-Aufgebot benannt werden.