BERLIN - Der große Favorit fürchtet nur die eigene Überheblichkeit, beim Außenseiter geht die Angst vor einer weiteren Blamage um. Das DFB-Pokalfinale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund an diesem Sonnabend (20 Uhr/ZDF) im Berliner Olympiastadion ist ein Duell der Gegensätze. Anders als der selbstsichere Rekordmeister tritt die Borussia nach zwei desaströsen Auftritten mit großer Verunsicherung an.
Trotz der ungleichen Voraussetzungen versuchten die Trainer den Eindruck von einem Spiel auf Augenhöhe zu vermitteln. „Bei uns läuft keiner mit gesenktem Kopf durch die Gegend. Wir freuen uns alle auf dieses Finale und sind zurecht hier“, sagte BVB-Trainer Thomas Doll, der sich nur einen Tag vor seinem ersten Finale als Trainer sogar Fragen nach seiner Zukunft gefallen lassen musste.
Präsentiert sich sein Team so hilflos wie bei den Niederlagen gegen die Bayern (0:5) und Hannover 96 (1:3), dürfte sein Arbeitsplatz in Gefahr geraten. Auf solche Spekulationen reagierte der Fußball-Lehrer am Freitag dünnhäutig: „Ich mache mir keine Gedanken, was morgen oder übermorgen ist, sondern habe ein Finale vor der Brust.“
Der Borussia werden nur geringe Chancen auf den dritten Pokalerfolg eingeräumt. Die Fachwelt zweifelt nicht am 14. Cup-Gewinn der scheinbar übermächtigen Münchner vor 72 954 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion.
Nur die Bayern selbst geben sich nach außen zurückhaltend. „In einem Pokalfinale ist immer alles offen. Wir wissen, dass es für uns ein schwieriges Spiel wird“, sagte Trainer Ottmar Hitzfeld.
Die unterschiedliche Ausgangslage beider Clubs spiegelte sich in den Gesichtern der Trainer wider. Vor einem der letzten Höhepunkte seiner ruhmreichen Karriere als Vereinscoach wirkte Hitzfeld ungleich gelassener als sein Gegenüber. Bereits vor dem Anpfiff ist die Hauptrolle an ihn vergeben. Zum Ende seiner Ära als Clubtrainer will sich Hitzfeld einen ähnlichen Rückschlag wie 1999 ersparen, als der Traum vom Bayern-Triple in zwei Endspielen gegen Bremen (Pokal) und Manchester (Championsliga) platzte. Diesmal scheinen die Voraussetzungen besser: Läuft alles optimal, feiert er binnen einer Woche den Pokalsieg und die Meisterschaft.
Bei den Dortmundern geht es derzeit alles andere
als lustig zu. Findet die Borussia keinen Ausweg aus der Krise, droht ein Fiasko in Berlin. Nur der Blick zurück sorgt für neuen Mut. Trotzig erinnerte Sportmanager Michael Zorc an die Final-Erfolge der Borussia 1966 im Europapokal gegen Liverpool, 1989 im Pokal gegen Bremen oder 1997 in der Championsliga gegen Turin. „Der BVB war in fast jedem Endspiel, das er gewonnen hat, nur Außenseiter.“
