BERLIN/ - Seit 29 Jahren sind nicht mehr so viele Trainer in der Fußball-Bundesliga so früh vor die Tür gesetzt worden. „In der letzten Saison sah es so aus, als wären bessere Sitten eingekehrt, doch jetzt sind wir wieder zur alten Methode des ,hire and fire‘ zurückgekehrt“, kritisiert Horst Zingraf, Präsident des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL), die Mentalität des „Anheuerns und Entlassens“.

Hertha-Trainer Lucien Favre war bereits der vierte von 18 Chefcoaches nach Jörn Andersen (Mainz 05), Dieter Hecking (Hannover 96) und Marcel Koller (VfL Bochum), der in dieser Spielzeit vorzeitig seinen Stuhl räumte. Saisonübergreifend ist es der zwölfte Trainerwechsel binnen eines halben Jahres.

Die Negativ-Bestmarke in fast drei Jahrzehnten gab es in der Saison 1991/92, als drei Fußball-Lehrer vor Ende September vorzeitig gehen mussten – allerdings erst nach dem 11. Spieltag. Doch in dieser Saison riss der Geduldsfaden der Club-Chefs schneller denn je: Andersen musste schon vor dem Bundesliga-Start gehen, Hecking trat nach zwei Spielen und in einer immer brenzliger werdenden Situation zurück, Koller traf der Bannstrahl nach sechs und Favre nun nach sieben Erstliga-Partien.

Einen Trend will Bochums Sportvorstand Thomas Ernst, der weiterhin einen Nachfolger für Koller sucht, daraus aber nicht ableiten: „Jeder Verein hat seine eigene Geschichte, was Trainerentlassungen angeht.“ 2008/2009 mussten nur Jos Luhukay (Borussia Mönchengladbach) und Armin Veh (VfB Stuttgart) schon in der Bundesliga-Hinrunde gehen.

In Berlin kursieren derweil Namen möglicher Nachfolger von Favre. Dazu zählen Lothar Matthäus, Kjetil Rekdal, Berti Vogts, Mirko Slomka, Friedhelm Funkel, Jürgen Röber und Hans Meyer.

„Wir erstellen ein Trainerprofil, und werden uns die gebotene Zeit für das Thema nehmen“, blockt Manager Michael Preetz alle Anfragen ab. Bis ein Nachfolger gefunden ist, leitet der bisherige U-23-Trainer Karsten Heine das Training. Heine wird das Team auch im Europa-League-Spiel an diesem Donnerstag (21.05 Uhr/Sat 1) bei Sporting Lissabon betreuen.