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NWZonline.de Sport Fußball

Vereine reagieren nur halbherzig auf Klima-Debatte

03.12.2019

Berlin Der ökologische Fußabdruck von Roberto Firmino dürfte so manchen Klimaschützer verzweifeln lassen. Der frühere Hoffenheimer Profi, jetzt in Diensten des FC Liverpool, legte allein in diesem Jahr fast 100 000 Kilometer mit dem Flugzeug zurück. Nach der Studie eines Klimaforschers der Uni Manchester entspricht das einer CO2-Emission von fast 50 Tonnen. Noch deutlich höhere CO2-Emissionen aber verursachen die Fan-Wanderungen an jedem Bundesliga-Spieltag.

Etwa 400 000 Stadien-Gänger pilgern im Schnitt zu den Spielstätten von FC Bayern, Borussia Dortmund und Co. „In der Summe liegen wir bei rund 7800 Tonnen CO2, die pro Spieltag ausgestoßen werden“, sagt Patrick Fortyr von der Klimaschutzberatung CO2OL. Um die von Transport und Konsum der Fans an nur einem Spieltag verursachten Emissionen auszugleichen, benötigt es Experten zufolge der Aufforstung von etwa 60 000 Bäumen auf einer Fläche von etwa 48 Fußballfeldern. Das geht aus einer Kurzstudie der Nachhaltigkeitsexperten von CO2OL für den Deutschlandfunk hervor.

Die Studie sei nur eine Modellierung, betont Fachmann Fortyr. Eine Verallgemeinerung der Aussagen sei schwierig. „Die klimatechnischen Fußabdrücke der Vereine unterscheiden sich aufgrund ihrer Lage. Ruhrpottvereine haben deutlich kürzere Wege zurückzulegen als Leipzig“, erklärt der CO2-Experte. Die Rolle des Fußballs falle trotz Klimanotstands unter den Tisch. Fortyr beklagt neben den halbherzigen Maßnahmen vieler Vereine insbesondere die unzureichende Erfassung der Emissionen. „Positiv-Beispiel ist der VfL Wolfsburg, der seine Treibhausgasemissionen regelmäßig nach einem internationalen Bilanzierungsstandard erfasst.“

Die Proficlubs haben nach Angaben der Deutschen Fußball Liga in diesem März einen Arbeitskreis einberufen, um Klima-Lösungen zu suchen. Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe beobachtet, dass das Thema an Relevanz gewinnt. „Der Fußball klammert Klimaschutz nicht länger aus“, sagte er der „taz“.

Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann zeigte Verständnis, falls einer seiner Spieler anstatt zu trainieren an der Demo von „Fridays for Future“ teilnehmen würde. „Wenn es für eine gute Sache ist, könnte ich vielleicht darüber hinwegsehen.“ Freiburgs Christian Streich hält den Klimastreik für absolut berechtigt.

Die TSG Hoffenheim und Mainz 05 versuchen mit gutem Beispiel voranzugehen. „Seit Saisonbeginn handelt die TSG [...] konsequent klimaneutral und kompensiert alle nicht vermeidbaren Emissionen“, heißt es auf der Internetseite. Mainz behauptet, „seit 2010 klima-
neutral“ zu sein. Durch Zertifikate gleiche der Club seine Emissionen aus – auch die der Fans bei Auswärtsreisen.

Die Rhein-Hessen seien eine Ausnahme, sagt Fortyr. Oft würden sich viele Attribute, die sich die Vereine anheften, als geschönt oder undurchsichtig entpuppen. „Wir brauchen transparente und einheitlich erfasste CO2-Bilanzen aller Vereine“, betont Fortyr. Eine solche Transparenz sehe er bis auf wenige Ausnahmen nicht. „Ich glaube, bei einigen Vereinen wird ein vermeintlich ökologisches Auftreten als Marketing-
instrument missverstanden.“

Insbesondere bei der Mobilität der Fans und Teams bestehe Handlungsbedarf. 70 Prozent der Fans würden mit dem Auto zu den Spielen reisen. Es bedürfe einer Menge Fingerspitzengefühl, um den Umstieg auf Bus und Bahn oder das Rad zu begleiten: „Meines Erachtens hilft am ehesten ein Belohnungssystem für eine klimaschonende Anreise – und die Vereine müssen weiter mühsame Überzeugungsarbeit leisten.“

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